Energie RHEINPFALZ Plus Artikel Streit zwischen USA und Saudis: Der Ölpreis bleibt hoch

Braucht auch mit Blick auf die Wahlen billiges Öl aus Nahost: US-Präsident Joe Biden.
Braucht auch mit Blick auf die Wahlen billiges Öl aus Nahost: US-Präsident Joe Biden.

Die Golfstaaten sind Partner der USA, doch Streit um die Ölförderung in Zeiten des Ukraine-Krieges hat die Verbündeten entzweit und die Araber näher an Moskau rücken lassen.

Der Präsident fror. Als Mohammed bin Zayed, Staatschef der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE), jetzt aus der mehr als 30 Grad heißen Golf-Region ins kalte St. Petersburg reiste, fehlte ihm ein Mantel – und Wladimir Putin lieh dem Gast seine Winterjacke, wie auf Bildern des russischen Staatsfernsehens zu sehen war.

Die freundschaftliche Geste des Kremlchefs illustrierte die guten Beziehungen Russlands zu den Ölstaaten am Golf. Westliche Spitzenpolitiker, angeführt von US-Präsident Joe Biden, hatten die Araber und besonders deren Führungsmacht Saudi-Arabien nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges gebeten, mehr Öl zu fördern, um den Preisauftrieb zu bremsen. Vorige Woche beschlossen die Araber und Russland jedoch im Gegenteil, die Ölproduktion um zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag zu drosseln. Das trieb die Preise hoch. Biden, dessen Demokraten vor den schwierigen Kongresswahlen am 8. November stehen, droht deshalb mit „Konsequenzen“, ohne Details zu nennen.

Herablassender Ton

Das Weiße Haus erklärte, Saudi-Arabien habe andere Ölproduzenten zur Kürzung gezwungen. Einige US-Politiker fordern ein Ende amerikanischer Waffenlieferungen an die Saudis. Die Araber lassen sich nicht beeindrucken. UAE-Präsident Zayed demonstrierte mit seinem Besuch bei Putin, dass er weiter mit Moskau zusammenarbeiten will; ähnliches will der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani.

Saudi-Arabien enthüllte, dass Biden das Königreich gebeten habe, die Ölförderung erst nach den Kongresswahlen zu drosseln. Doch eine Verschiebung hätte „negative wirtschaftliche Konsequenzen“ gehabt und sei deshalb abgelehnt worden, erklärte das saudische Außenministerium.

Der herablassende Tonfall der saudischen Stellungnahme ist gewollt. „Saudi-Arabien sieht sich in einer Position der Stärke, da die USA und vor allem Biden günstiges Öl brauchen, und bringt sich in eine bessere Verhandlungsposition“, sagt Sebastian Sons, Experte für die Golf-Regierung bei der Bonner Nahost-Denkfabrik Carpo. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman als Herrscher Saudi-Arabiens „präsentiert sich als starker Anführer, der sich nicht von den USA unter Druck setzen lassen möchte“, sagte Sons unserer Zeitung.

Arabiens Macht

Die Wurzeln des aktuellen Konflikts zwischen dem Golf und dem Westen um Ölpreis, Förderquoten und die Zusammenarbeit der Araber mit Russland reichen Jahre zurück. Die strategische Hinwendung der USA zum Pazifik-Raum unter Barack Obama und die damit einhergehende Abstufung des Nahen Ostens in der Prioritätenliste Washingtons gehören dazu, ebenso die gesteigerte US-Ölproduktion durch das Fracking, das Amerikas Abhängigkeit von den Ölstaaten in Nahost senkte. Auch der westliche Atomdeal mit dem Iran und die Thematisierung von Menschenrechtsfragen stießen den Arabern ebenfalls sauer auf.

Nun demonstriert der Ölpreis-Anstieg durch den Ukraine-Krieg, wie viel Macht die Araber über die westlichen Partner haben. Trotz Fracking braucht Biden billiges Öl aus Nahost, um einen Preisschock für US-Autofahrer zu vermeiden.

Saudi-Arabien indes braucht einen Ölpreis von mehr als 80 Dollar pro Barrel für einen ausgeglichenen Haushalt. Noch im September lag der Preis nur knapp über 80 Dollar, stieg aber nach dem Beschluss, die Förderung zu drosseln, auf rund 94 Dollar.

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