Karneval
Strack-Zimmermann – die böse Königin von Aachen
Eigentlich sollte ja Außenministerin Annalena Baerbock im Mittelpunkt dieser Karnevalsveranstaltung stehen. Die Grünen-Politikerin erhielt in Aachen den mehr oder weniger geschätzten „Orden wider den tierischen Ernst“. Während Baerbock mit einer heiteren Rede die Gäste des Aachener Karnevalsvereins nett unterhielt, wählte eine andere Büttenrednerin die harte Gangart.
Sie trat in rhetorischer Hinsicht wie der hammerschwingende Gott Thor vor das Publikum und strapazierte die Humor-Toleranz der Anwesenden und der Fernsehzuschauer erheblich: Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Verteidigungspolitikerin und Düsseldorfer Frohnatur, vermochte mit wild hochtoupierten Haaren und schwarzem Umhang sowohl Baerbock als auch den anmutig Ukulele spielenden SPD-Chef Lars Klingbeil in den Schatten zu stellen.
Gegen die „toxische Männlichkeit“
Strack-Zimmermann schlüpfte in die Rolle der bösen Königin aus dem Märchen „Schneewittchen“ und lästerte – gerne auch unter der Gürtellinie – über die „toxische Männlichkeit“ der politischen Zwerge in ihrer Umgebung. Während sie anfangs noch mit viel Selbstironie ihre Eitelkeit karikierte – „Von Kopf bis Fuß ganz formidabel, ohne Zweifel ministrabel. In jeder Talkshow ein Gewinn weil ich die Allergeilste bin“ – knöpfte sie sich danach messerscharf die Mannsbilder der Politik vor. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bekam als CSU-„Bergzwerg“ sein Fett weg. Ganz heftig ging Strack-Zimmermann aber mit Friedrich Merz ins Gericht, dem „Flugzwerg aus dem Mittelstand“.
„Nach außen bürgerlicher Schein, im Herzen aber voll gemein“, reimte Strack-Zimmermann zunächst eher unbeholfen, um dann Merz den eher unverständlichen Vorwurf zu machen, er lasse Milde gegen einen „Nazi-Prinzen“ walten. Damit spielte sie offenbar auf die Reichsbürgerszene an, die Merz ihrer Meinung nach nicht ernst nimmt. Das Fazit der bissigen Rednerin über den CDU-Vorsitzenden: „Beherzt er auf die Schwachen drischt, weil er gern im Trüben fischt. Grad die, die christlich selbst sich wähnen, sollten sich für ihn was schämen.“
Hochpolitische Angelegenheit
Das Publikum schwankte zwischen Applaus und Buh-Rufen, während einer mittendrin keinen Mundwinkel verzog: Friedrich Merz. Was wieder einmal zeigt, dass die närrische Saison eine hochpolitische Angelegenheit ist – und schon gar nicht für alle witzig.