Verteidigung RHEINPFALZ Plus Artikel Spanien will neue Kampfjet-Allianz

Der europäische Kampfjet soll in Deutschland eines Tages die Eurofighter, im Bild ein Eurofoghter Typhoon, ablösen.
Der europäische Kampfjet soll in Deutschland eines Tages die Eurofighter, im Bild ein Eurofoghter Typhoon, ablösen.

Nach dem Aus für das europäische Kampfjetprojekt FCAS sortiert sich die Rüstungsindustrie in Europa neu. Und Spanien meldet sich auffallend schnell zu Wort.

Sechs spanische Unternehmen bieten sich dem Verteidigungsministerium in Madrid und möglichen europäischen Partnern als Mitstreiter für ein neues Luftkampfsystem an. Gemeint sind auch Länder wie Deutschland. Damit bekommt die Debatte um Europas nächsten Kampfjet eine neue Wendung. Denn während sich in Berlin auf der Luft- und Raumfahrtausstellung ILA acht deutsche Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen als „Team Gen 6“ formierten, stellte sich in Spanien ein eigener Industrieblock auf. Die Botschaft ist klar: Wenn Deutschland nach dem Scheitern des deutsch-französischen FCAS-Projekts einen neuen Anlauf nimmt, will Spanien nicht am Rand stehen, sondern mitfliegen.

Unterzeichnet wurde die spanische Erklärung von Airbus Defence and Space, GMV, Grupo Oesía, Indra Group, ITP Aero und Sener – sechs wichtigen Unternehmen der spanischen Luftfahrt-, Rüstungs- und Sicherheitstechnik. In ihrer gemeinsamen Mitteilung signalisieren sie, dass sie ihre technologischen Fähigkeiten in eine mögliche Neuordnung des FCAS/NGWS-Programms einbringen wollen. NGWS steht für „Next Generation Weapon System“, also ein Waffensystem der nächsten Generation.

Signal an Berlin

Dabei geht es nicht nur um ein einzelnes Kampfflugzeug. Der Kampfjet der Zukunft soll Teil eines ganzen digitalen Verbunds sein: Ein bemannter Jet, Drohnen, Sensoren, Satellitendaten, Kommunikationssysteme und eine sogenannte Combat Cloud sollen miteinander vernetzt werden. An dieser Idee wollen die Spanier festhalten. Die Kooperation solle mit jenen europäischen Ländern und Akteuren erfolgen, die das spanische Verteidigungsministerium bestimme.

In Madrid wird das auch als Signal an Berlin gelesen. Denn die spanische Industrie verweist ausdrücklich darauf, dass sich in Deutschland zur gleichen Zeit acht Unternehmen in einer ähnlichen Initiative zusammengeschlossen haben. In dem deutschen Positionspapier, das im Rahmen der ILA in Berlin veröffentlicht wurde, heißt es: „Wir dürfen keine Zeit verlieren, müssen von deutscher Seite Verantwortung übernehmen sowie Handlungsfähigkeit zeigen und den Weg zu einem luftgestützten vernetzten Waffensystem mit einem starken Führungsanspruch konsequent weiter beschreiten.“

Ohne US-Technik

Mit anderen Worten: Es soll verhindert werden, dass Europa bei der nächsten Generation von Kampfflugzeugen endgültig von den USA abhängig wird. Schon heute setzen zahlreiche europäische Staaten auf den amerikanischen Tarnkappenjet F-35. Doch irgendwann müssen die heutigen Kampfjets ersetzt werden: in Deutschland vor allem der Eurofighter, in Frankreich die Rafale des Herstellers Dassault. Für diese nächste Generation sucht Europa seit Jahren eine eigene Lösung – möglichst ohne dauerhaft auf US-Technik angewiesen zu sein. Eigentlich sollte diese Lösung FCAS heißen. Doch aus dem Prestigeprojekt wurde ein Dauerkonflikt. Am Ende erklärten Berlin und Paris das bisherige Modell für gescheitert.

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