Stierkampf RHEINPFALZ Plus Artikel Spanien sagt Toreros den Kampf an

Stierkampf hat in Spanien eine lange Tradition, aber das Publikumsinteresse ist stark gesunken.
Stierkampf hat in Spanien eine lange Tradition, aber das Publikumsinteresse ist stark gesunken.

Der Stierkampf ist umstritten. Das gilt auch für Spanien, der europäischen Hochburg der Stiertöter, wo den Toreros nun der Wind ins Gesicht bläst. Schon länger wächst die Kritik am blutigen Spektakel, das Publikumsinteresse nimmt ab. Nun muss die Stierkampfbranche eine weitere schlechte Nachricht verdauen: Spaniens Mitte-links-Regierung kündigte an, dass sie dem Stierkampf die staatliche Unterstützung entziehen will.

Als erster Schritt wurde mit sofortiger Wirkung der spanische Nationalpreis für die Stierkampfkunst abgeschafft. „Die Menschen verstehen nicht, dass Tiere gequält werden und dass es dafür auch noch öffentliche Auszeichnungen gibt“, begründete Spaniens Kulturminister Ernest Urtasun die Entscheidung. Der mit 30.000 Euro dotierte Nationalpreis wurde bisher vom Kulturministerium verliehen und üblicherweise vom königlichen Staatsoberhaupt Felipe VI. übergeben.

„Mehrheit lehnt Tierquälerei ab“

„Ich glaube, dass eine Mehrheit der Spanier für den Tierschutz ist und Tierquälerei ablehnt“, erklärte Urtasun. Es gebe in der Bevölkerung immer weniger Verständnis dafür, dass umstrittene Aktivitäten wie der Stierkampf mit Medaillen und öffentlichen Geldern gefördert werden. Der Preis ist die höchste Auszeichnung, die in der Stierkampfbranche vergeben wird und hat deswegen einen großen symbolischen Wert.

Kulturminister Urtasun, der jahrelang für die spanischen Grünen im Europaparlament saß, macht kein Geheimnis daraus, dass für ihn der Stierkampf alles andere als Kultur oder Kunst ist. Das Stiertöten in der Arena sei eine „sadistische und verwerfliche Aktivität“, sagte er schon bei früheren Anlässen. Deswegen will er jetzt auch dagegen vorgehen, dass der Stierkampf gesetzlich als „nationales Kulturgut“ geschützt ist. Genauso wie Urtasun mittelfristig jegliche finanzielle Förderung des Staates streichen möchte.

Anzahl der Arenabesucher stark gesunken

Spaniens Kulturministerium verweist darauf, dass sich die Anzahl der Stierkämpfe in den letzten Jahren halbiert hat. 2007 gab es noch 3651 Stierkämpfe, 2022 waren es nur noch 1546. Auch die Anzahl der Arenabesucher sei in dieser Zeit stark gesunken: 2007 seien 9,8 Prozent der Erwachsenen wenigstens einmal bei einem Stierspektakel dabei gewesen. 2022 waren es demzufolge lediglich 1,9 Prozent – die meisten Arenabesucher seien männlich.

In der spanischen Region Katalonien und auf den Kanarischen Inseln sind Stierkämpfe inzwischen verboten. In anderen Regionen, wie etwa auf den Balearischen Inseln mit Mallorca, haben die meisten Arenen mangels Interesse die Tore geschlossen. Doch im südspanischen Andalusien, in Zentralspanien oder auch in der Mittelmeerregion Valencia gehören Stierkämpfe und Stiertreiben immer noch zu vielen Volksfesten.

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