Meinung
Social Media: Von Hirnfäule befallen
Der Internet-Gemeinde schwante wohl schon etwas, als sie den englischen Begriff brainrot prägte. Die Wortneuschöpfung kann gut mit Hirnfäule übersetzt werden. Bemerkenswert liest sich diese Umschreibung des Begriffs in einem Wörterbuch: Brainrot sei der Zerfall des intellektuellen Zustands als Ergebnis von übermäßigem Konsum trivialer Online-Inhalte. Was der Netzkultur also längst dämmert, gießt nun evidenzbasiert die geballte Kompetenz der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Gewissheit und dringliche Ratschläge.
Der ausufernde, suchterzeugende Konsum sinnentleerter Angebote sogenannter sozialer Medien entfaltet eine asoziale Wirkung und gefährdet die Gesundheit Heranwachsender. Er befördert das Vordringen psychischer Erkrankungen in dieser Altersgruppe. Das ist bereits schlimm genug. Aber die verheerende Wirkung reicht noch viel weiter. Das endlose Scrollen flachster Inhalte gefährdet die geistige Selbstbestimmung. Denn es erodiert die Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit zu kontrollieren und kritisch, strukturiert und eigenständig zu denken. Beides ist in der Ära des Internets besonders gefragt, um ein mündiger Bürger zu sein und nicht Opfer politischer Manipulation, Fake News oder der verzerrten Realität von Echokammern zu werden. Hier geht es um zivilisatorische Standards und die geistige Autonomie in unserer Gesellschaft. Sie zu verbessern, ist aller Anstrengung wert.
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