Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Smartphone oder Schreibstift: Lieber schmutzige Finger als Ohrenweh

Der Schreibstift – ein Auslaufmodell? Und was ist mit dem Hai-Legami?
Der Schreibstift – ein Auslaufmodell? Und was ist mit dem Hai-Legami?

Viele Anbieter klassischer Schreibstifte stehen unter Druck, weil Handys und andere digitale Helfer dominieren. Über nerviges Einkaufen, kuriose Verschmutzungen – und Legami.

Mit wem spricht der junge Mann dort drüben denn? Und warum so laut? Diese Szene aus dem Supermarkt kennen wir alle. Weil das Handy stets am Start ist, hat der gute alte Einkaufszettel in vielen Haushalten ausgedient – ersetzt durch den Alleskönner Smartphone. Ob der Einkaufende nun mit jemandem daheim telefoniert, um live über das aus dem Geschäft Benötigte zu diskutieren – oder ob eine Notiz- oder Einkaufs-App aufgerufen wird: Gekritzel auf einem Schmierzettel haben deutlich weniger Kunden im Laden dabei als früher.

Wenn der Füller ausläuft und der Kuli schmiert

Deshalb wird es oft noch unruhiger im Supermarkt. Wegen viel Stahl und Beton ist dort der Handyempfang oft schlecht, da muss umso lauter nachgefragt werden: Soll ich Naturjoghurt kaufen oder Erdbeerjoghurt? Also lieber dem Gesprächspartner Ohrenschmerzen zufügen, als sich die Finger mit der Tinte eines auslaufenden Füllers blau zu färben? Oder mit einer auch auf Papier, Hemd und Hose schmierenden Kugelschreibermine?

Mit dem allgemeinen Rückzug der Zettelwirtschaft sinkt die Nachfrage nach klassischen Stiften. Das spüren aktuell einige Traditionsunternehmen der Branche.

Schreibwarenhersteller streicht Stellen

Faber-Castell streicht Stellen, Staedtler will zwei Werke in Bayern schließen, und bei Stabilo ist der Jahresumsatz um fast sieben Prozent geschrumpft. Digitale Notizen, gerne auch mit Spezialstiften fürs Tablet oder Smartphone, haben alteingesessenen, vielleicht zu unflexiblen Schreibwarenherstellern mächtig Umsatzeinbußen beschert.

Textmarker trifft es dabei offenbar besonders hart. So soll ein Faber-Castell-Werk in Österreich, das schwerpunktmäßig Textmarker produziert, bald schließen.

Dabei haben die Leuchtstifte nicht nur das Papier bunter und mir Lernwörter in der Schule und im Studium einprägsamer gemacht. Ganz nebenbei haben sie oft für ungewollte farbige Punkte auf weißen Hemden gesorgt.

Erfolg mit Luxus und Legami-Stiften

Bei Stabilo immerhin reüssiert der Textmarker in herausgehobener Form – in einer Sonderedition, die man gemeinsam mit der Luxusmarke Dolce & Gabbana aufgelegt hat. Luxus und Design als Erfolgsnische oder, wie eine andere italienische Firma gezeigt hat – Multiplikatoren gewinnen; Schüler etwa: Legami-Stifte waren jüngst vor allem bei Kindern der Hit. Die bunten Griffel mit den lustigen Tierköpfen von Giraffe bis Hai wurden zu begehrten Sammelobjekten. Gutes Marketing.

Ein Füllfederhalter zur Entspannung

Natürlich braucht man Ideen. Die darf man in einer immer schneller und lauter werdenden Welt zur Entspannung beim Nachdenken gerne auch mal mit einem schönen Füllfederhalter zu Papier bringen.

Hier lesen Sie einen ausführlichen Hintergrund-Beitrag zu Legami-Stiften, die Idee und die Firma dahinter.

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