Lebensmittel
Senf-Notstand in Frankreich
Etliche französische Supermärkte informieren ihre Kunden mit Schildern, dass ihnen der Senf ausgegangen sei. „Ein Glas pro Person“, heißt es mahnend in anderen Geschäften. Die Senf-Regale sind häufig leer, und zwar in ganz Frankreich, wo viele die süßlich-scharfe Paste für die Salat-Vinaigrette verwenden, zu Würstchen oder sogar zum Gemüse essen. Ein Kilo Senf verbrauchen die Franzosen pro Kopf und Jahr, gegenüber 800 Gramm in Deutschland.
Innerhalb eines Jahres stieg der Preis für Senf um fast 14 Prozent. Das liegt in erster Linie an einer Hitzewelle, die im vergangenen Sommer einen großen Teil der kanadischen Senfkorn-Ernte zunichte gemacht hat. Rund 80 Prozent der 32.000 Tonnen, die jedes Jahr in Frankreich verarbeitet werden, stammen aus dem nordamerikanischen Land. In Friedenszeiten könnte Russland als zweitgrößter Lieferant, das nun mit einem Handelsembargo belegt ist, oder auch die Ukraine aushelfen. Die Körner für deutschen Senf stammen überwiegend aus diesen beiden Ländern.
Rund 200 französische Senfkorn-Produzenten
In Frankreich rächt sich die starke Abhängigkeit. Besonders zu spüren bekommen das die großen Hersteller im Burgund – von Amora-Maille über Reine de Dijon bis zum Traditionshaus Edmond Fallot. Nur 20 bis 30 Prozent ihres Bedarfs werden von den rund 200 französischen Senfkorn-Produzenten abgedeckt. Infolge schlechter Ernten seit 2019 gebe es kaum noch Vorräte, sagte der Präsident der Senf-Vereinigung im Burgund, Luc Vandermaesen, der Zeitung „Le Monde“. Nun arbeite man daran, die Senfkorn-Produktion in Frankreich zu erhöhen.
Die Landwirte klagen aber über die hohe Anfälligkeit der Senfpflanze bei gleichzeitigen strengen Regeln für die Verwendung von Unkraut- und Insektenvernichtungsmitteln. Zudem unterliege auch Frankreich unberechenbaren Klimaschwankungen. Die derzeitige Situation sei vor allem „eine Chance, ein toller Beschleuniger“ für die heimische Branche, versichert dennoch Paul-Olivier Claudepierre, Besitzer des Hauses Martin-Pouret, das längst Essig, Senf und Essiggurken aus rein französischer Herstellung anbietet.
Rezepte für hausgemachte Mischungen
Angesichts der leeren Senf-Regale gibt es derweil im Internet Tipps für Alternativen: Die einen empfehlen Meerrettich, die anderen veröffentlichen Rezepte für hausgemachte Mischungen aus Essig, Kurkuma, Wasser, Mehl, Öl, Honig, Salz und Pfeffer – und Senfkörnern.