Archäologie
Schon die alten Ägypter hatten „Rücken“
„Autsch, ich habe Rücken!“ So lautete vor rund 20 Jahren einer der Lieblingssätze von Harpe Kerkelings Kunstfigur Horst Schlämmer, dem neurotischen Journalisten. In diese Rolle baute der Komiker damit etwas ein, worüber damals sehr viele Deutsche klagten. Und was ihnen weiterhin zu schaffen macht.
So geht aus dem aktuellen Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der Krankenkasse AOK hervor, dass im Jahr 2021 in Deutschland 26,2 Millionen Patientinnen und Patienten wegen Rückenbeschwerden in Behandlung waren – das ist fast ein Drittel der Bevölkerung. 14 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage seien auf Rückenschmerzen zurückzuführen, heißt es in der Krankheitskostenstatistik 2022.
Das neue Rauchen
Ärzte und Gesundheitspolitiker werden nicht müde zu betonen: Das kommt nicht zuletzt vom vielen Sitzen! Bei der Arbeit, auf dem Weg zur Arbeit, vor dem Fernseher. Sitzen, so lautet der Befund zusammenfassend, sei das neue Rauchen.
Dabei dürften schon die alten Ägypter unter Rückenschmerzen gelitten haben – insbesondere diejenigen, die viel sitzen mussten: die Schriftgelehrten. Dies jedenfalls lässt sich aus den Ergebnissen einer tschechischen Forschungsgruppe ableiten. Ein Team rund um das Nationalmuseum in Prag hat Knochen von 69 erwachsenen Männern untersucht, die zwischen 2700 und 2180 vor Christus im ägyptischen Abusir bestattet wurden.
Später gestorben
30 der Männer waren Schriftgelehrte. Bei ihnen fanden sich bestimmte degenerative Gelenkveränderungen häufiger als bei Männern anderer Berufsgruppen. Langes Sitzen oder Hocken habe bestimmte Gelenke und Knochen sowie die gesamte Wirbelsäule deformiert, lautet das Fazit der Forscher im Fachjournal „Scientific Reports“.
Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung in Ägypten war damals des Lesens und Schreibens kundig. Entsprechend privilegiert war die gesellschaftliche Stellung der Schreiberlinge. Natürlich dürfte so mancher ägyptische Bauer oder Sklave, der die Pyramiden hochziehen musste, davon geträumt haben, den ganzen Tag sitzen zu können. Respektive zu müssen. Doch auch dies gehört zum Befund der Gräberforscher: Tendenziell scheinen die Schreiber später gestorben zu sein als die Vertreter anderer Berufsgruppen. Obgleich sie eventuell länger mit Rückenschmerzen gelebt haben.