Saudi-Arabien RHEINPFALZ Plus Artikel Saudischen Prinzen geht’s an ihre Privilegien

Kronprinz Mohammed bin Salman streicht seiner weitläufigen Verwandtschaft einige Privilegien.
Kronprinz Mohammed bin Salman streicht seiner weitläufigen Verwandtschaft einige Privilegien.

Villen in Südfrankreich, Luxusjachten, ein Heer von Hausangestellten: Ein Leben in Saus und Braus genießen tausende Angehörige des saudischen Königshauses dank vieler Vergünstigungen und großzügiger Überweisungen aus der Staatskasse. Jetzt nimmt Kronprinz Mohammed bin Salman, der starke Mann des Golfstaates, die Verwandtschaft an eine kürzere Leine.

Er streicht Privilegien und führt neue Steuern ein. Etliche Superreiche müssen deshalb Besitz abstoßen: Immobilien und Luxusgüter im Wert von einer halben Milliarde Euro sollen bereits verkauft worden sein.

Die Königsfamilie ist weit verzweigt. Der Gründer des modernen Saudi-Arabien, Abdulaziz Ibn Saud, hatte schätzungsweise tausend Enkel; heute zählen rund 15.000 Menschen zur Familie. Vielen von ihnen garantiert die verwandtschaftliche Nähe zu den Herrschern in Riad großen Wohlstand. Ölexporte bringen dem Land mehr als 300 Milliarden Euro im Jahr ein.

Kronprinz in Teilen der Familie unbeliebt

Mitglieder des Königshauses erhalten je nach ihrer Stellung in der Hierarchie staatliche Zahlungen, die hunderttausende Euro im Monat erreichen können, wie US-Diplomaten in Saudi-Arabien laut Wikileaks beobachteten. Außerdem profitieren manche Prinzen von millionenschweren Extra-Überweisungen, etwa als Hochzeitsgeschenk oder als Zuschuss für den Bau eines Palastes.

Dieses sorgenfreie Leben ist in Gefahr, seit Mohammed bin Salman, ein Sohn des 86-jährigen Königs Salman, im Jahr 2017 zum Thronfolger aufrückte. Der Kronprinz ist in Teilen der Königsfamilie unbeliebt, weil er Saudi-Arabien auf die Zeit nach dem Ende der Ölförderung vorbereiten will und dafür einen teuren Umbau des Staates anstrebt.

Luxusgüter werden verkauft

Indem er Privilegien streicht, steigert MBS, wie der Prinz genannt wird, seine Popularität in der saudischen Bevölkerung, deren Rückhalt er für seine Reformen braucht. Vor kurzem führte er eine Sondersteuer für Arbeitgeber von Hausangestellten ein: Wenn ein Privathaushalt mehr als vier Angestellte hat, müssen die Hausherren für jeden Bediensteten ab dieser Schwelle 2400 Euro im Jahr an den Staat abführen. Weil einige Prinzen mehrere Dutzend Dienstmädchen, Gärtner, Köche und Fahrer beschäftigen, kann das ins Geld gehen. Die steigenden Ausgaben zwingen laut dem „Wall Street Journal“ immer mehr Prinzen dazu, sich von Luxusgütern zu trennen.

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