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Rosinenbomber: Als die Flugzeuge Süßes abwarfen
Gail Halvorsen hatte ein geniale Idee. Er war Pilot der US Air Force und saß am Steuer eines der unzähligen Flugzeuge, die unentwegt Güter nach Berlin brachten. Halvorsen band dabei Süßigkeiten an kleine selbstgebastelte Fallschirme und ließ auf diese Weise Kaugummi oder Schokolade auf die am Flughafen Tempelhof wartenden Kinder hinabregnen. Damit sie ihn erkennen konnten, „wackelte“ der Pilot mit den Flügeln. „Candy Bomber“ wurden die Transportmaschinen bald nur noch genannt. Im Deutschen hießen sie „Rosinenbomber“, weil sie gelegentlich wohl auch die getrockneten Früchte dabei hatten.
Blockade wegen Währungsreform
Die Spitznamen drücken jedenfalls die Wertschätzung der Bevölkerung für diese außergewöhnliche militärische Operation aus, die sich vor einem ernsten Hintergrund abspielte. 1948 war die Allianz der Siegermächte aus dem Zweiten Weltkrieg zerbrochen. Uneinigkeit herrschte über die Zukunft Deutschlands, die Sowjetunion wollte eine wirtschaftliche Einbindung der drei westlichen Besatzungszonen in den Westen verhindern. Ihr Druckmittel: Die drei Westsektoren Berlins mussten durch ihre Besatzungszone mit Waren versorgt werden. Die Währungsreform im Juni 1948 im Westen war dann Auslöser für eine vollständige Blockade.
Alle drei Minuten eine Maschine
Wie sollten nun zwei Millionen Menschen und einige zehntausend Soldaten samt Angehörigen versorgt werden, wo Lebensmittelvorräte höchstens für einen Monat ausreichen würden? Am 25. Juni startete General Lucius D. Clay, Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland, daher die Luftbrücke. Die von den Amerikanern „Operation Proviant“ getaufte Rettungsaktion brachte mehr als zwei Millionen Tonnen Fracht in die Stadt: Kohle, Nahrungsmittel, Baustoffe. 277.000 Flüge absolvierten Piloten wie Gail Halvorsen und auch seine britischen oder australischen Kollegen. Zu Höchstzeiten landete alle drei Minuten eine Maschine und demonstrierte den Verteidigungswillen des Westens. Im Mai 1949 schließlich gab die Sowjetunion die Blockade auf.
Heute erinnern Denkmale in Tempelhof und beim Frankfurter Flughafen an diese erste große Krise des Kalten Krieges. Die drei gebogenen Rippen stehen für die drei Luftkorridore, durch die Berlin versorgt wurde – auch mit Süßigkeiten.
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