Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Regierungsbeschluss: Zehn Uhr, Licht aus!

So dunkel wie hier in Madrid könnte es auch in deutschen Städten bald zu später Stunde aussehen.
So dunkel wie hier in Madrid könnte es auch in deutschen Städten bald zu später Stunde aussehen.

Die Energiesparverordnung der Regierung ist ein Katalog verkraftbarer Maßnahmen. Sie zeigt auch auf, wie verschwenderisch wir bislang mit Energie umgegangen sind.

Die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Energiekrise zwingt in vielen Bereichen zum Umdenken und zur Neuorientierung. Manches, an das man sich gewöhnt hat, wird fehlen. Deutsche Innenstädte dürften nach 22 Uhr kaum noch Menschen anlocken, wenn nur noch die (heruntergeregelten) Straßenlampen, nicht aber Werbetafeln und Schaufenster leuchten. Auch historische Baudenkmäler werden nicht mehr angestrahlt. Tagsüber wird in den Büros der öffentlichen Verwaltung die Raumtemperatur sinken, ebenso in Museen oder Bibliotheken.

Ist es eine mittlere Katastrophe, wenn man auf der Behördentoilette sich nur noch mit kaltem Wasser die Hände waschen kann? Wohl eher nicht. Dass privaten Schwimmbadbesitzern verboten wird, ihren Pool zu beheizen, mag vernünftig sein. Aber der Staat dürfte dies nicht einmal ansatzweise kontrollieren können. Dieser Punkt hat somit wohl eher Appellcharakter.

Dunkle Gassen mag niemand

Unterm Strich sind die Maßnahmen verkraftbar und vernünftig, wenn auch gewöhnungsbedürftig. Sinnvoll sind auch jene mittelfristigen Ziele, die Eigentümer mit Gasheizungen verpflichten, ihre Anlagen auf Effizienz hin überprüfen zu lassen. Damit entlasten diese Bürger schließlich ihren eigenen Geldbeutel. Von diesem Eingriff des Staates in die Privatsphäre können die Bürger nur profitieren.

Diskussionen wird es über Sicherheitsaspekte geben, wenn nachts um Zehn das Licht in den Einkaufsstraßen ausgeht. Durch dunkle Gassen mag man nicht gehen, das ist richtig. Ob aber die Zukunft des Einzelhandels tatsächlich davon abhängt, dass die Innenstadt zu nachtschlafender Zeit noch nahezu taghell erleuchtet ist, muss bezweifelt werden. Für die beklagenswerten Umsatzeinbußen der kleinen und mittleren Geschäfte gibt es mannigfaltige Gründe, die aber auch mit Service, Freundlichkeit und Sortiment zu tun haben. Ganz abgesehen von der Frage, ob es wirklich die Möglichkeit geben muss, nächtens ein Paar Hosen kaufen zu können.

Licht zur Geisterstunde?

Die Energiesparverordnung macht deutlich, wie sorglos wir bislang mit Energie umgegangen sind. Wenn beheizte Geschäfte im Winter ihre Eingangstür offenhalten, ist das ein ausgemachter energetischer Irrsinn. Und niemand kann erklären, warum ein Denkmal oder eine historische Kirche zur Geisterstunde noch angestrahlt werden muss.

Zu hoffen ist, dass die Verordnung nun auch die schier unendliche Reihe banaler Energiespartipps von Politikern beendet, die man in den vergangenen Tagen hören konnte. Niemand will wissen, wie oft und wie lange Wirtschaftsminister Robert Habeck duscht und dass die Berliner Umweltsenatorin Bettina Jarasch nur noch Katzenwäsche macht. Das spricht für ihren Mut zum Müffeln, hilft aber nicht wirklich.

Der Waschlappen-Wahnwitz

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verbreitet in all dem Waschlappen-Wahnwitz ausnahmsweise keinen Unsinn. Die Wahrheit liege nicht in der Dusche, stellte er fest. Womit er die ganzen schlaumeiernden Energiespartipps als peinliche Hinweise entlarvt, wie wenig Eigenverantwortung manche Politiker den Bürgern zutrauen. Glauben unsere Volksvertreter tatsächlich, die Leute machen sich angesichts der steigenden Monatsabschläge für Gas und Strom keine Gedanken, wie sie den Verbrauch senken können?

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