Meinung
Putin und Trump: Die Erben des Sonnenkönigs
Die ihm lästigen deutschen Fürsten ein wenig auf Distanz zu halten, das war erklärtes Ziel von Frankreichs König Ludwig XIV., besser bekannt als Sonnenkönig. Für unsere Region hatte das im wahrsten Sinne des Wortes verheerende Folgen. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 - 1697) wurden nicht nur viele Dörfer und Städte zerstört, Tausende fanden wegen der Kämpfe, des Hungers und wegen Krankheiten den Tod. Weite Teile der Pfalz waren danach regelrecht entvölkert.
Alles ewig her und vergessen, möchte man meinen. Aber das stimmt leider nicht. Was den Sonnenkönig damals antrieb und nach dem Erheben ungerechtfertigter (Erb-)Ansprüche in die Pfalz einmarschieren ließ, war das Streben nach einer Vormachtstellung in Europa. Frankreich sollte alles bestimmender Faktor, Hegemonialmacht auf dem Kontinent werden. Und diese Bestrebungen, die Europa immer wieder in zum Teil Jahrzehnte andauernde Kriege stürzten, sind derzeit wieder stark im Kommen.
So wird in Putins Russland die noch aus Zarenzeiten stammende Idee eines großrussischen Reiches propagiert. Was bei vielen offenbar auf fruchtbaren Boden fällt. Haben sie doch bis heute den Zerfall der Sowjetunion nicht verkraftet, in der die Russen den Ton angaben und die übrigen „sozialistischen“ Teilrepubliken eher den Status von Vasallenstaaten hatten. Die Liste der Interventionen des Kreml in der Nachbarschaft seit 1991 ist lang: Armenien und Aserbaidschan, Kasachstan, und Belarus, Georgien, Moldau und nicht zuletzt die Ukraine, auf deren Osten (und die Krim) Russland völkerrechtswidrige Ansprüche erhebt.
Aber auch die USA, die in ihrem „Hinterhof“, sprich Lateinamerika, nie zimperlich waren, wenn es darum ging, militärische und wirtschaftliche Interessen auch mit Waffengewalt durchzusetzen, haben in der zweiten Regierung Trump rücksichtsloses Hegemonialstreben zur Doktrin erhoben. Man denke nur an den Streit um den Panamakanal oder die Annexionsgelüste gegenüber Kanada und Grönland.
Mit Israel und Iran gibt es gleich zwei Staaten im Nahen Osten, die ganz offen nach Hegemonie streben und sich dabei seit Jahren heftig in die Quere kommen – bis hin zu gegenseitigen Raketenangriffen.
Auch in Europa spukt der unselige Geist des Vormachtstrebens nicht nur im Kreml. In Serbien scheint man die blutige Erfahrung der Balkankriege verdrängt zu haben. Premier Aleksandar Vucic träumt von einer „serbischen Welt“. Das kann nichts Gutes für das Kosovo, Bosnien-Herzegowina oder Montenegro bedeuten. Und 1000 Kilometer weiter südöstlich beschwört der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Erinnerung an das 1922 untergegangene Osmanische Reich als Blaupause für die Zukunft. Gruselig! Und da haben wir noch nicht nach Asien geschaut. Nach China zum Beispiel, oder Indien.
Hegemonialbestrebungen gibt es seit der Antike. Wenn ein Staat sich das Recht nimmt, Nachbarn zu beeinflussen, zu unterdrücken oder zu überfallen, um den eigenen Einfluss auszudehnen, um militärisch und wirtschaftlich an Macht zu gewinnen, geht das für die Bevölkerung nie gut aus. Das lehrt die Geschichte. Aber selbst im 21. Jahrhundert, in dem wir es besser wissen müssten, verfängt nationale Kraftmeierei leider immer noch.