Heidelberg / Ludwigshafen
Heidelberger Studentin gewinnt TV-Show „Survivor“ und 100.000 Euro
Acht Wochen lang mussten 20 Kandidaten im karibischen Dickicht sportliche und mentale Herausforderungen bestehen. Ohne richtiges Essen, ohne Bett und am Ende auch ohne Verbündete verließen sie nach und nach die einsame Insel in der Dominikanischen Republik. Larissa Renz tat dies um einige Kilo ärmer, aber um 100.000 Euro und unbezahlbare Erfahrungen reicher. Ihren Spitznamen hatte sie schnell weg. „Wonder Woman“ wurde sie von den anderen Kandidaten aufgrund ihrer physischen wie psychischen Stärke genannt. Im Finale schlug die in St. Leon-Rot aufgewachsene Athletin sogar einen Ninja Warrior in dessen Paradedisziplin. Dabei hatte sich die Sport- und Englischstudentin eigentlich für eine ganz andere Reality-TV-Produktion beworben.
Herausforderungen statt Flirts
Eher unerwartet kam dann die Anfrage, ob sie nicht bei „Survivor“ teilnehmen wolle. „Ein paar Tage später saß ich schon im Flieger“, erinnert sie sich. Ohne Casting, ohne echte Vorbereitung. Zwei Teams mit je zehn Kandidaten treten beim Reality-TV-Format von Sport1 gegeneinander an. Nur Kokosnüsse und etwas Reis gibt es als tägliche Kost. Alles andere – Hängematte, Kopfkissen oder auch mal eine Pizza – müssen sich die beiden „Stämme“ in Spielen erkämpfen.
Roberto di Stefano brachte bereits etwas Vorerfahrung mit. Vor zwei Jahren nahm der Deutsch-Italiener an der Dating-Show „Temptation Island“ teil. Statt um Flirts ging es für den 23-jährigen Sport- und Fitnesskaufmann nun um körperliche und mentale Herausforderungen. In seiner Gruppe sehr beliebt und bei den Spielen meist erfolgreich, änderte sich das „Game“, als die Clans gegen Ende überraschend gemischt und irgendwann ganz aufgelöst wurden. „Das hat die Dramaturgie und die Spannung gesteigert, aber ich habe meine Gruppe verloren“, sagt di Stefano. Immer häufiger wurde er nun nominiert und suchte als „Jäger“ auch mal Hilfe bei der Anführerin der „Krieger“: Larissa Renz.
Diese konnte mit einem Totem einen Kandidaten des Gegners vor der Eliminierung bewahren und hatte auf seine Bitte mit einem „Weil du aus Ludwigshafen bist!“ zunächst selbstlos zugesagt. „Sie musste sich aber noch mit ihrer Gruppe besprechen und sich dann leider umentscheiden“, sagt er. Sauer ist di Stefano nicht. Kurz darauf musste er tatsächlich am 32. von 48 Tagen die Insel verlassen. „Wir haben uns gut verstanden, obwohl wir Kontrahenten waren. Mehr als sie kann man es nicht verdient haben. Sie hat von Anfang an performt, sportlich wie menschlich“, sagt er über die Gewinnerin.
„Wonder Woman“ wird zur Zielscheibe
Tatsächlich bezwang „Wonder Woman“ in den sportlichen Wettkämpfen auch viele der teilnehmenden Männer. „Ich kann Schmerz aushalten, über meine Grenzen gehen. Ich liebe krasse Herausforderungen“, sagt Renz, die als Kind Fußball und Handball spielte, turnte, in einem Zirkus aktiv war und als Cheerleaderin an Weltmeisterschaften in den USA teilnahm. Ihre körperliche, aber vor allem mentale Stärke habe sie wohl am meisten dem Bodybuilding zu verdanken. Neben dem Muskelaufbau müsse man dabei auch eine strenge Diät durchhalten. Im Dschungel konnte sie sich deshalb gut auf Hunger und dessen Nebenwirkungen einstellen.
Doch je näher das Finale rückte, desto mehr wurde die „stärkste Konkurrentin seit Tag eins“ zur Zielscheibe. Lügen, Intrigen, Verrat und Enttäuschungen, geheime Strategien: Immer häufiger wurde sie nominiert und in Eliminierungsspiele geschickt. Immer wieder aber konnte sie gewinnen und sich retten – bis sie schließlich im Finale den mehrfachen Ninja-Warrior-Teilnehmer Jun Kim in einem Kletter- und Springparcours bezwang. Der Sieg! Aber auch das Ende eines Abenteuers. „Es war so intensiv und plötzlich war es vorbei. Um ehrlich zu sein, habe ich die Insel gleich vermisst. Das Nervensystem konnte dort mal runterfahren, man war letztlich so wenigen Dingen ausgesetzt“, gesteht die 27-Jährige.
Als Roberto di Stefano den Dschungel verließ, genoss er erst einmal ein Hotel mit echtem Essen und Dusche. „Es war auch eine Erleichterung dabei. Die sehr intensiven Wochen waren wie in Trance. Ich weiß nun selbst die kleinsten Dinge zu schätzen: ein Bett, ein Dach über dem Kopf, einen Kühlschrank, eine Dusche. Das erachten wir als selbstverständlich, aber ich weiß nun: Das ist es nicht.“
Während sich Larissa Renz erst einmal auf ihr Studium konzentriert, war di Stefano bereits wieder bei Dreharbeiten auf der anderen Seite der Welt. „Es gibt wieder eine Reality-Show mit mir“, sagt er. Schon in den nächsten Wochen sei diese im Fernsehen zu sehen.