Meinung
Pekings Taiwan-Problem
Was sich rund um Taiwan abspielt, ist ein klassischer geostrategischer Konflikt: Vordergründig geht es zwar um den kleinen, doch wirtschaftlich erfolgreichen Inselstaat. Schlussendlich aber tritt hier eine grundsätzliche Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China zutage. In Form von Bombern und Flugzeugträgern markieren beide ihre Reviere.
Die Auseinandersetzung dürfte sich auch unter US-Präsident Joe Biden weiter verschärfen. Und so ist mit immer stärkeren Machtdemonstrationen rund um Taiwan zu rechnen. Für China geht es dabei vor allem um seinen Nationalstolz: Auch wenn die Kommunistische Partei de facto niemals auf dem Inselterritorium regiert hat, beansprucht sie Taiwan seit jeher. Für Peking geht es hier um seine „inneren Angelegenheiten“, in die es sich nicht von ausländischen Mächten reinreden lassen will – schon gar nicht vom „imperialistischen“ Erzrivalen USA.
Allein die Partei?
Doch der Konflikt hat weitere Ebenen. Die bloße Existenz Taiwans ist Xi Jinping ein Dorn im Auge. Denn südlich der Küste Fujians floriert ein demokratischer Staat mit innovativer Wirtschaft und lebhafter Zivilgesellschaft. Taiwan ist zudem ein Staat, der chinesische Kultur und Tradition weitaus stärker bewahrt als sein großer Nachbar. Taiwans Erfolg untergräbt die Behauptung der Kommunistischen Partei in Peking, wonach allein die Partei die Interessen „des Volkes“ klug vertreten könne.