USA / China RHEINPFALZ Plus Artikel Säbelrasseln um Taiwan

Jetzt im Einsatz vor Taiwan: der Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt.
Jetzt im Einsatz vor Taiwan: der Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt.

Ein amerikanischer Flugzeugträger läuft ins Südchinesische Meer ein. Peking fordert die neue US-Regierung auf, keinen Streit anzuzetteln. Derweil testen Chinas Militärflugzeuge Taiwans Luftabwehr.

Zwar übermittelte Pekings Staatsführung nur wenige Minuten nach Joe Bidens Amtseinführung am 20. Januar die obligatorischen Glückwünsche. 12.000 Kilometer östlich begrüßte sie den neuen US-Präsidenten jedoch mit einer Machtdemonstration: Acht Bomber, vier Kampfjets und ein U-Boot-Abwehrflugzeug schickte Chinas Volksbefreiungsarmee am Samstag in die von Taiwan kontrollierte Luftraumüberwachungszone über dem Südchinesischen Meer. Am Sonntag folgte ein zweites, ähnlich schlagkräftiges Aufgebot.

Der geopolitische Konflikt um Taiwan, das China als abtrünnige Provinz betrachtet und mit militärischem Zwang „wiedervereinigen“ will, lässt sich am ehesten als Tauziehen zwischen den zwei führenden Weltmächten verstehen. Sowohl Peking als auch Washington provozieren einander gegenseitig, haben letztlich jedoch kein Interesse an einem Krieg. Gleichwohl besteht aufgrund der jüngsten Eskalationsspirale die Gefahr, dass das Tau am Ende reißt.

Neue Dimension des Konflikts

Taipeh hat sich längst an Pekings Einschüchterungsaktionen gewöhnen müssen. Doch die Provokation vom Wochenende deutet auf eine neue Dimension hin. Auch die Antwort Bidens fällt dementsprechend deutlich aus: Die Vereinigten Staaten stünden felsenfest zu Taiwan und würden der dortigen Führung auch weiterhin zur Selbstverteidigung verhelfen. China solle seinen „militärischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Druck“ auf den Inselstaat einstellen.

Für Taiwans Bevölkerung, für die eine Zwangseingliederung an das chinesische Festland kein abstraktes Angstszenario darstellt, sondern zunehmend als realistische Gefahr gesehen wird, sind solche rhetorischen Beistandsbekundungen Balsam. Auch dass bei Bidens Inauguration mit Bi-khim Hsiao erstmals seit über 40 Jahren eine offizielle Vertreterin von Taiwans Regierung eingeladen wurde, wird als wichtiger Schritt gefeiert.

Wie weit reicht Amerikas Arm?

Aber es bleibt die Frage, wie weit der Beistand der USA gegenüber dem kleinen Inselstaat mit 23 Millionen Einwohnern im Ernstfall wirklich reichen würde. Der Fall Hongkong dient als Mahnung: Schließlich blieben den Amerikanern trotz aller Solidaritätsbekundungen mit der Protestbewegung in der früheren britischen Kronkolonie die Hände gebunden, als Festlandchina 2020 die Demonstrationen niederschlug.

Bei allen Bekenntnissen der Amerikaner zur Demokratie: Die US-Taiwan-Allianz ist das Resultat einer Nutzen-Kosten-Rechnung. Das Gewässer rund um Taiwan ist von strategisch immens wichtiger Bedeutung. Über Handelsrouten im Südchinesischen Meer werden jährlich Waren im Wert von mehreren Billionen Dollar transportiert. Wer das Südchinesische Meer kontrolliert, besitzt die ökonomische Macht in der derzeit wohl dynamischsten Wirtschaftsregion der Welt.

Xi will hart bleiben

Zudem ist der Stellvertreterkonflikt rund um den Inselstaat auch ein geopolitisches Geschenk für die USA, um den Erzrivalen China international zu isolieren und in die Enge zu treiben. Und so hat am Samstag nicht nur die Volksbefreiungsarmee seine Muskeln angespannt, sondern auch das amerikanische Militär. Washington entsandte seinen über 300 Meter langen Flugzeugträger „Theodore Roosevelt“ ins Südchinesische Meer, um laut offiziellen Angaben „Frieden auf den Meeren zu sichern“.

Chinas Staatschef Xi Jinping hat hierbei bisher einen stabilen Kurs gewählt. Er will unter keinen Umständen auch nur den leisesten Hauch von Schwäche zeigen. Am Montag entsandte Pekings Staatsführung erneut 15 Kampfflugzeuge in Taiwans Luftraumüberwachungszone.

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