Ukraine-Krieg RHEINPFALZ Plus Artikel Panzer, Kampfjets, Drohnen? Kiewer Wünsche und Berliner Debatten

„Die Zeit drängt“. Pentagon Sprecher John Kirby sagt, die USA rechnen mit einer neuerlichen Eskalation des Ukraine-Kriegs.
»Die Zeit drängt«. Pentagon Sprecher John Kirby sagt, die USA rechnen mit einer neuerlichen Eskalation des Ukraine-Kriegs.

In punkto Waffenlieferungen an die Ukraine warten die USA nicht ab. Washington agiert lieber hinter den Kulissen und schafft seit Monaten zügig Fakten.

Eindringlich formuliert Kiew an die Adresse der Bundesregierung, was die Ukraine an Waffenhilfe benötigt. Seit Dezember vergeht keine Woche ohne eine sehr konkrete Forderung von Präsident Wolodymyr Selenskyj oder dessen Botschafter Andrij Melnyk. Da ging es schon um die Freigabe von MiG-Kampfjets aus Polen über Deutschland. Aktuell steht der Schützenpanzer Marder auf dem Wunschzettel.

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Man ist versucht zu sagen, seit Ex-US-Präsident Donald Trump hat niemand mehr so unverblümt mit Berlin kommuniziert. Ganz anders die aktuelle Washingtoner Regierung: Bei einem Briefing des US-Verteidigungsministeriums für europäische Journalisten übte sich Pentagonsprecher John Kirby jetzt in derart behutsamer Diplomatie, dass es doch auffällig war. Forderungen an Deutschland formulierte er von selber gar nicht. Auf Polens Vorstoß angesprochen, T72-Panzer zu liefern, reagierte Kirby, als arbeite der frühere Konteradmiral im Außenamt und nicht im Pentagon: „Da würde ich doch gerne Polen für sich selbst sprechen lassen.“ Jeder Alliierte sei doch mit Kiew in eigenen Gesprächen, und er könne hier nur für Washington sprechen.

Nur sechs Tage Lieferzeit

Und da hatte Kirby einiges zu sagen. Der Eindruck ist: Egal, was Berlin oder Warschau da liefern, die Hilfe der USA ist derart umfangreich, zielgenau und zügig, dass Kiew schon deshalb viel besser bewaffnet ist, als die Generäle in Moskau erwartet haben. Binnen vier bis sechs Tagen sei man in der Lage, nach einer Unterschrift von US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus Gerät und Munition an die Ukrainer zu liefern – mutmaßlich auch dank der Pfälzer Airbase Ramstein, über der aktuell mehr Verkehr zu beobachten ist.

Eine weitere Milliarde Dollar für Militärhilfe sei jetzt – Mitte April – wieder aufgebraucht, so Kirby: allein 100 Millionen Dollar zuletzt für die panzerbrechenden Javelin-Raketen. Auch seien Dutzende Millionen Schuss Kleinwaffen-Munition geliefert worden. Und gerade erst seien ukrainische Soldaten in den USA an der Kampfdrohne Switchblade ausgebildet worden.

Dass die Amerikaner nicht nachlassen in ihrer Militärhilfe, begründete der Pentagonsprecher so: Russland sei offenbar dabei, seine nach wie vor enorme Schlagkraft auf den Donbass im Osten der Ukraine zu konzentrieren. Eine blutige Eskalation drohe. „Die Zeit drängt“, so Kirby. Berliner Debatten darüber wartet Washington jedenfalls nicht ab. Kurz nach Kirbys Briefing wartete Präsident Biden mit einer neuen Aufstockung der Militärhilfe für Kiew auf: diesmal soll es Material im Wert von weiteren 800 Millionen Dollar sein. Ein Treffen mit den führenden amerikanischen Rüstungskonzernen war dem vorangegangen.

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