Olympische Spiele RHEINPFALZ Plus Artikel Olympa: Paris wird zu einer großen Sicherheitszone

Die Olympischen Ringe hängen längst am Wahrzeichen von Paris, dem Eiffelturm.
Die Olympischen Ringe hängen längst am Wahrzeichen von Paris, dem Eiffelturm.

Während der Olympischen Spiele in Paris wird der Zugang zu etlichen Bereichen eingeschränkt. Besonderes Augenmerk liegt auf der Eröffnungszeremonie.

Für die einen ist es ein Sicherheitsrisiko, für die anderen das Versprechen eines unvergesslichen Spektakels im Herzen von Paris: Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele am Freitag wird sich auf der Seine abspielen und über sechs Kilometer hinziehen. Erstmals in der Geschichte findet der Auftakt der sportlichen Großveranstaltung nicht in einem Stadion statt, sondern mitten in der Stadt.

160 Boote sollen 10.500 Athletinnen und Athleten über den Fluss bis zum Eiffelturm transportieren. Auf der gegenüberliegenden Tribüne auf dem Trocadéro-Platz nehmen rund 120 Monarchen sowie Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt Platz. Am Flussufer können 326.000 Menschen dem Spektakel beiwohnen, die vorab Bezahltickets für den unteren und Gratis-Karten für den oberen Uferbereich erworben haben.

„Von der Schönheit fasziniert“

Was märchenhaft klingt, ist für Sicherheitsexperten ein Albtraum. Das Organisationskomitee der Spiele, „fasziniert von der Schönheit einer außergewöhnlichen Zeremonie“, habe diese Frage stark unterschätz, kritisierte Alain Bauer, Professor für Kriminologie, gegenüber der RHEINPFALZ. „Das Risiko ist seit München oder Atlanta bekannt, aber wird durch die internationalen Spannungen und die Konzentration der Bedrohungen vervielfacht.“ Diese gehen von externen dschihadistischen Netzwerken wie auch von internen radikalisierten Bewegungen mit gesellschaftlichen oder umweltpolitischen Anliegen aus. Auch mit russischen Operationen zur Destabilisierung, wie beispielsweise Fake-News-Kampagnen im Internet, sei zu rechnen.

Dagegen versichern die Verantwortlichen, dass sie die Gefahren im Blick haben. Seit dem Anschlag auf eine Konzerthalle bei Moskau Ende März, den die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) für sich reklamiert hat, gilt in Frankreich die höchste Alarmstufe. Es gebe kein „Null-Risiko“, räumte der Pariser Polizeipräfekt Laurent Nuñez Ende Juni ein. „Alles ist bereit, wir sind sehr zuversichtlich“, sagte er dennoch.

45.000 Sicherheitsleute im Einsatz

Werden zum Auftakt 45.000 Sicherheitsleute im Einsatz sein, so sind es in der übrigen Zeit bis zum Ende der Spiele am 11. August täglich 30.000 Polizisten und Gendarmen. Verstärkt werden sie durch 18.000 Soldatinnen und Soldaten. Darüber hinaus wurden bis zu 26.000 Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen ausgebildet. Medienberichten, denen zufolge nicht genügend solcher Agenten gefunden wurden, widersprach Nuñez. Polizisten und Gendarmen, die Urlaubssperre haben, erhalten Prämien von bis zu 1900 Euro.

Um alle Wettkampfstätten und andere viel besuchte oder sensible Orte werden weiträumige Sicherheitszonen errichtet. Mehrere Metrostationen bleiben geschlossen, auch der Autoverkehr wird eingeschränkt, die Stadt dadurch in eine Art Sicherheitsgebiet mit verschiedenen Niveaus verwandelt. Anwohner müssen sich vorab um Zugangscodes bemühen, um freien Durchgang zu bekommen.

3512 potenzielle Gefährder

Fast eine Million Menschen, darunter Athleten, Trainer, Journalisten, Freiwillige und Sicherheitsleute, wurden Überprüfungen unterzogen. Mitte Juli informierte Innenminister Gérald Darmanin, dass 3512 potenzielle Gefährder keine Akkreditierung erhalten haben, unter ihnen mehrere dutzend „Radikale, die islamistischen Milieus nahestehen sowie Mitglieder der Ultralinken und Ultrarechten“.

Auch aus dem Ausland gibt es Unterstützung für die Absicherung des Mega-Events, das an 35 Sportstätten überwiegend im Großraum Paris ausgetragen wird. Rund 40 Länder, darunter auch Deutschland, schicken insgesamt 1750 Sicherheitskräfte. Neben den Austragungsorten werden Bahnhöfe und Flughäfen sowie die Fan-Zonen besonders geschützt.

Für die Eröffnungsfeier gibt es im Fall einer konkreten Bedrohung einen Plan B. Er sieht deren Beschränkung auf das Gebiet um den Eiffelturm vor. Laut einem vertraulichen Dokument, das dem Enthüllungsblatt „Le Canard Enchaîné“ vorlag, würde dies Einnahmeausfälle in Höhe von mehr als 255 Millionen Euro nach sich ziehen. Nicht nur gäbe es 104.000 Tickets mit Preisen von 90 bis 2700 Euro zu erstatten, einkalkuliert werden müssten auch fehlende Werbeeinnahmen.

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