Baden-Baden Nach Russland-Kritik: Barmann gefeuert

Das Kurhaus in Baden-Baden. Die Festspielstadt ist auch bei reichen Russen sehr beliebt.
Das Kurhaus in Baden-Baden. Die Festspielstadt ist auch bei reichen Russen sehr beliebt.

Ein ukrainischer Barkeeper wettert in Baden-Baden gegen die russische Kundschaft und wird prompt gefeuert.

Idyllisch am Rand des Schwarzwalds gelegen mit mondänem Kurbetrieb und viel Kultur lockt das gut 56.000 Einwohner zählende Baden-Baden Touristen aus aller Welt an. Auch viele Russen. Hotels, Restaurants und Clubs profitieren von dieser zahlungskräftigen Klientel. Doch der Krieg in der Ukraine hat alles verändert. Viele Russen bleiben weg. Und die, die kommen, sind nicht unbedingt mehr gern gesehen.

Dass in seiner Heimat ein blutiger Krieg tobt, dass dort Menschen sterben und er gleichzeitig reiche Russen, die womöglich vom System Putin profitieren, bedienen muss, das ging einem Barkeeper in Baden-Baden jetzt gehörig über die Hutschnur. In einem Instagram-Video machte er seiner Wut Luft. Russen seien nirgendwo willkommen, sagte er. Sie sollten aufpassen, dass sie nicht verprügelt würden. In seiner „Botschaft an die Russen“ verurteilt der 51-Jährige Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine aufs Schärfste.

„Empörung und Unverständnis“

Sein Arbeitgeber, das bei zahlungskräftigen Russen beliebte Restaurant „Rizzi“, reagierte prompt. Der Ukrainer wurde nach sieben Jahren Betriebszugehörigkeit entlassen. Auf der Internetseite erklärte man, dass das Video „bei vielen Menschen zurecht für Empörung und Unverständnis gesorgt“ habe. „Rizzi“-Mitarbeiter gehörten vielen Nationen an und verurteilten „jede Form von Rassismus“.

Dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ gegenüber erklärte der Barkeeper: „Ich wurde gefeuert, weil ich meine Meinung zum Überfall Russlands auf die Ukraine geäußert habe.“ Offenbar habe sein Arbeitgeber Angst gehabt, die russische Stammkundschaft zu vergraulen. „Aber hier gilt doch Meinungsfreiheit. Ich habe meine private Meinung in den sozialen Medien gesagt. Ich habe das Recht, mein Land zu unterstützen. Ich bin kein Rassist“, sagte er.

Gegen „Putin-Versteher“ in Deutschland

Unterstützung erhielt der 51-Jährige vom ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba: Der teilte auf Facebook mit: „Mein Signal an alle Putin-Versteher, Anhänger Putins in Deutschland und anderen Ländern: Ihr seid wie die Piloten der russischen Flugzeuge, die ukrainische friedliche Bürger umbringen.“

Pauschalurteile, verbale Angriffe, Überreaktionen und verhärtete Fronten. Das hat allen nur geschadet. Auch der Stadt Baden-Baden mit ihrer 200-jährigen russischen Tradition. Es waren im 19. Jahrhundert nicht nur die in ihrer Heimat autoritär herrschenden Zaren, die der Stadt zur Berühmtheit verhalfen, sondern auch Dichter wie Lew Tolstoi, Fjodor Dostojewski, Iwan Turgenjew oder Nikolai Gogol.

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