Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Missbrauchsgutachten: Katholische Kirche am Tiefpunkt

Eine Studie zu Missbrauchsfällen im Erzbistum München und Freising erhebt Vorwürfe gegen den emeritierten Papst.
Eine Studie zu Missbrauchsfällen im Erzbistum München und Freising erhebt Vorwürfe gegen den emeritierten Papst.

Das Missbrauchsgutachten für das Erzbistum München ist für Benedikt XVI. ein Fiasko. Es stellt seine Glaubwürdigkeit infrage.

Wieder eine Analyse über den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Wieder die Feststellung, dass die des Missbrauchs beschuldigten Priester einfach versetzt wurden, weil es den Kirchenleitungen nicht um die Opfer, sondern um den guten Ruf der Kirche gegangen ist. Täterschutz vor Opferschutz also. Wieder die Erkenntnis, dass die verantwortlichen Bischöfe auch rückwirkend kein Unrechts- oder Schuldbewusstsein erkennen ließen – dazu gehört der emeritierte Papst Benedikt XVI. Es können noch so viele Gutachten eingeholt werden, sie werden keine neuen Erkenntnisse über die systemischen Ursachen des Missbrauchs in der katholischen Kirche bringen. Die sind längst bekannt. Ändern kann sich nur etwas, wenn die Männer an der Kirchenspitze endlich zu ihrem Fehlverhalten stehen.

Widerspruch zur Aktenlage

Das Münchner Missbrauchsgutachten ist für Benedikt XVI. ein Fiasko. Wird doch seine Glaubwürdigkeit infrage gestellt. In einem Fall stehen seine Einlassungen im Widerspruch zu der Aktenlage. Was kann einer Glaubensinstitution aber Schlimmeres passieren, als dass man seinen Glaubensverkündern nicht mehr glaubt. Am Mittwoch, einen Tag vor der Vorstellung des Münchner Gutachtens, hat eine Umfrage ergeben: Nur noch zwölf Prozent der Deutschen haben großes Vertrauen zur katholischen Kirche. Das ist ein Tiefpunkt.

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