Politik
Metall-Tarifrunde: Reizwort Vier-Tage-Woche
Die Metall- und Elektroindustrie sieht sich mit gleich mehreren Herausforderungen konfrontiert. Da ist die Corona-Krise, in deren Folge noch immer zahlreiche Beschäftigte in Kurzarbeit sind. Zudem stecken große Teile der Branche in einem Strukturwandel, der schon lange vor Ausbruch der Pandemie begann. Sinnbildlich dafür steht die Automobilindustrie, wo gerade ein neues Zeitalter eingeläutet wird: der Übergang vom Verbrennermotor zu alternativen Antrieben wie dem Elektromotor.
Die IG Metall will die anstehende Tarifrunde nutzen, um diesen grundlegenden Veränderungsprozess so zu flankieren, dass möglichst wenig Arbeitsplätze verloren gehen. Der Sicherung von Beschäftigung soll in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern hohe Priorität eingeräumt werden. Das will die Gewerkschaft auch in ihrer Forderungsempfehlung deutlich machen, die der Vorstand am 9. November beschließen wird.
Betriebsparteien sollen entscheiden
Konkret will die IG Metall in der Tarifrunde die Vier-Tage-Woche durchsetzen. Der entsprechende Vorstoß, mit dem der Gewerkschaftsvorsitzende Jörg Hofmann im August an die Öffentlichkeit ging, ist auf ein breites Echo – und bei den Arbeitgebern auf Ablehnung – gestoßen. Denn Hofmann will, dass bei reduzierter Arbeitszeit die Löhne nicht im gleichen Ausmaß sinken, sprich: gefordert wird ein teilweiser Lohnausgleich.
Allerdings, darauf legt man in der Frankfurter Gewerkschaftszentrale Wert, geht es nicht um die Vier-Tage-Woche für alle. Der IG Metall schwebt vielmehr eine tarifliche Regelung vor, der zufolge die Betriebsparteien – also Unternehmensleitung und Betriebsrat – für bestimmte Beschäftigtengruppen oder auch die gesamte Belegschaft die Vier-Tage-Woche vereinbaren könnten. Beispielsweise dann, wenn Kapazitäten aus strukturellen Gründen auf längere Sicht nicht ausgelastet sind.
Gegenforderung der Arbeitgeber
Da die Vier-Tage-Woche nicht für alle gelten soll, könnte es am Ende auf folgendes Modell hinauslaufen: Beide Seiten erzielen einen Abschluss, der eine prozentuale Erhöhung der Einkommen vorsieht. In Unternehmen, die an der geltenden Fünf-Tage-Woche für alle festhalten, steigen die Gehälter entsprechend. Wird hingegen für Teile der Belegschaft die Vier-Tage-Woche vereinbart, könnte dort die Tarifsteigerung in einen Lohnausgleich fließen.
Auf Arbeitgeberseite gibt es allerdings ganz andere Vorstellungen. Der designierte Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf sagte kürzlich, er wolle, dass Beschäftigte länger als 35 Wochenstunden arbeiten – ohne vollen Lohnausgleich.