Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Liga im Größenwahn: Die Fußball-Branche überdreht

Meistermacher und Meisterspieler von 1998 mit Meisterschale: Trainer Otto Rehhagel (Mitte), Martin Wagner (links) und Torjäger O
Meistermacher und Meisterspieler von 1998 mit Meisterschale: Trainer Otto Rehhagel (Mitte), Martin Wagner (links) und Torjäger Olaf Marschall.

Vor 25 Jahren feierte der 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger die deutsche Fußball-Meisterschaft. Eine Sensation, die sich wohl nicht wiederholen wird, auch wenn es mit dem Verein wieder aufwärts geht.

Am 9. Mai 1998 reckte Ciriaco Sforza, beim Saisonfinale Kapitän des 1. FC Kaiserslautern, die Meisterschale in den Hamburger Himmel. Ein einmaliges Fußball-Märchen, das ein Vierteljahrhundert danach noch unvorstellbarer geworden ist.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat ein System geschaffen, in dem die Erfolgreichen immer reicher und damit noch erfolgreicher werden. Die nationalen Fernsehgelder werden verteilt nach den Tabellenplätzen der Vorjahre. So bekommt für die laufende Saison der FC Bayern München 95 Millionen Euro. Der VfL Bochum muss sich mit 33 Millionen Euro begnügen. Mit dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League überwies die Uefa 90 Millionen Euro an den FC Bayern.

„Geld schießt Tore“

„Geld schießt Tore“, hat Trainer Otto Rehhagel, der für sich die Urheberrechte an dem FCK-Wunder von 1998 beansprucht, gesagt. Natürlich gibt es noch die Momente, in denen ein David den Goliath schlägt. Das macht den Reiz des Spiels aus. Davon leben die Anbieter von Sportwetten, die in Deutschland über neun Milliarden Euro im Jahr als Umsätze vermelden. Viel Geld, das über Werbung teilweise wieder an die Vereine geht. Wer gut zahlt, ist mittendrin. Das galt früher für Bierbrauer, mittlerweile auch für den Dosengetränke-Hersteller mit dem roten Bullen-Emblem. Für RB Leipzig mit seinen etwas mehr als 20 Mitgliedern gelten besondere Regeln.

Jeder ist sich selbst der nächste

Die Profi-Ligen sind eine Leistungsgesellschaft, in der sich jeder selbst der nächste ist. Solidarität ist ein Fremdwort in dem Kreis der GmbHs und AGs, bei denen nur noch die Konzernmütter den Vereinsstatus haben. So gelingt es dem FC Bayern München mit seiner Drohung, sich selbst zu vermarkten oder in einer Europa-Liga anzutreten, die „Gleichmacherei“ – Zitat Uli Hoeneß – zu verhindern.

In den Kurven wird ein Ruf lauter: Sollen sie doch nur noch in Europa spielen. Liebe kennt keine Liga – das belegen geraden die Anhänger des Hamburger SV und des 1. FC Kaiserslautern. Sie sind die Zuschauermagneten des Unterhauses.

Längst sind Fans nur noch nützliche Kulisse. Bezeichnend ist die Ankündigung von Zweitligist Fortuna Düsseldorf, bei drei Spielen in der kommenden Saison keinen Eintritt mehr zu erheben und sich die entgangenen Einnahmen von Sponsoren ersetzen zu lassen.

Liga-Investor soll über zwei Milliarden Euro bringen

Über zwei Milliarden Euro will die DFL durch einen Verkauf von Anteilen zusätzlich einnehmen und unter den Klubs verteilen. Eine Wette auf die Zukunft in einer Branche, die immer mehr überdreht. Über 250 Millionen Euro sind 2021 in der ersten Liga an die Berater der Spieler gezahlt worden. Die Fifa will die Provisionen deckeln. Die Berater, allen voran der Ludwigshafener Roger Wittmann mit seiner Rogon AG, wehren sich dagegen.

Auch beim 1. FC Kaiserslautern brach nach 1998 der Größenwahn aus. Die bekannten Folgen führten in die Insolvenz und fast bis in die vierte Liga. Wobei zur Wahrheit gehört, dass Stadt und Land 2006 unbedingt die WM und damit ein neues Stadion vom Verein wollten.

Dank Hengen ist FCK im Aufwärtstrend

Dass es auf dem Betzenberg wieder aufwärts geht, ist das Verdienst von Geschäftsführer Thomas Hengen, der Ruhe in den Traditionsverein gebracht hat. Nie wieder erste Liga muss es nicht heißen. Wer sich mit Geduld, Geschick und etwas Glück beharrlich nach oben arbeitet, der wird belohnt. Derzeit klopfen der SC Freiburg und Union Berlin an die Tür zur Champions League – Vereine, denen der FCK vor ein paar Jahren noch auf Augenhöhe in der Zweiten Liga begegnete.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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