Glosse RHEINPFALZ Plus Artikel Kreativ kassiert: Steuern auf Bärte und Kuh-Rülpser

Für seine Rolle als Zareneinflüsterer Rasputin hat Gérard Depardieu sich einen langen Bart wachse lassen. Bei Zar Peter dem Groß
Für seine Rolle als Zareneinflüsterer Rasputin hat Gérard Depardieu sich einen langen Bart wachse lassen. Bei Zar Peter dem Großen wäre er damit aber durchgefallen.

Von Bart- bis Fenstersteuer: Herrscher erfanden einst skurrile Abgaben, um ihre Kassen zu füllen. Manche Folgen sind bis heute sichtbar.

Was haben Bärte, fehlende Fenster und rülpsende Kühe gemeinsam? Die Steuerpflicht. Wenn die Staatskasse klamm war, wurde nicht immer gespart. Herrscher und Regierungen haben im Lauf der Geschichte erstaunliche Wege gefunden, ihre Einnahmen zu steigern. Manche davon wirken kurios, andere sind bis heute sichtbar.

Im späten 17. Jahrhundert wurde in Russland eine Bartsteuer eingeführt. Damit wollte Zar Peter der Große die Bärte seiner männlichen Bevölkerung loswerden – und das Land westlichen Gepflogenheiten annähern. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts mussten unverheiratete Frauen in Berlin eine Jungfernsteuer zahlen. Ganz ähnlich wie heutige Steueranreize für Ehepaare sollte das den Nachwuchs fördern.

Steuern, die Burgen ruinieren

Selbst royale Hochzeiten blieben nicht steuerfrei. In vielen deutschen Gebieten wurde eine Prinzessinnensteuer erhoben – zahlen musste sie allerdings die Bevölkerung. So wurde die Mitgift der zu verheiratenden Prinzessin finanziert. Im alten Rom gab es die Urinsteuer: Einer von Kaiser Vespasian seinem Sohn Titus in der Debatte darum unter die Nase gehaltenen Münze verdanken wir den Ausspruch „Geld stinkt nicht“.

Fenstersteuern, wie es sie beispielsweise in England bis ins 19. Jahrhundert gab, sorgen bis heute in einigen Altstädten für zugemauerte, aufgemalte Fenster, sodass in manchen Häusern kaum noch Sonnenlicht ankam – mit Folgen für die Gesundheit der Bewohner. Und die österreichische Dachsteuer führte dazu, dass Adlige ihre Burgen aufgaben und abdeckten, um der zusätzlichen Abgabe zu entgehen. Viele heutige Burgruinen gehen auf diese Regelung zurück.

Nazis nutzten Steuern zur Enteignung

Nicht jede Steuer ist zum Schmunzeln. Ab 1931 wurde im Deutschen Reich eine sogenannte Reichsfluchtsteuer eingeführt, um Kapitalflucht zu verhindern. Wirtschaftliche Probleme, hohe Auslandsschulden und steigende Steuern führten zu Auswanderungswellen. Wer mit großem Vermögen das Land verließ, musste von nun an ein Viertel davon an den Staat abgeben. Doch was als wirtschaftliche Maßnahme begann, wurde später von den Nationalsozialisten genutzt, um jüdische Bürger und andere politisch Verfolgte systematisch zu enteignen.

Auch heute noch sind Regierungen kreativ. In den Vereinigten Staaten gibt es eine Steuer auf Solariumsbesuche – um das Gesundheitssystem zu entlasten. Und dänische Landwirte sollen ab 2030 eine Pups- und Rülpssteuer bezahlen – für ihre Nutztiere. Damit will das Land seine Klimabilanz verbessern. Wer weiß, wie zukünftige Generationen auf diese Steuer zurückblicken werden.

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