Politik Kommentar: Vor heißem Herbst

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Die IG Metall will das Thema Arbeitszeit zu einem Schwerpunkt der Tarifrunde machen. Der Konflikt mit den Arbeitgebern scheint programmiert.

Mit einem siebenwöchigen Streik zwang die IG Metall 1984 die Arbeitgeber dazu, einen Tarifvertrag zu unterschreiben, der die Einführung der 35-Stunden-Woche festschrieb. Aus Gewerkschaftssicht war das eine tarifpolitische Sternstunde, auf die man noch immer stolz ist. Aber die heutige betriebliche Welt ist eine ganz andere als vor drei Jahrzehnten. Gerade in Sachen Arbeitszeit gibt es inzwischen ein seinerzeit noch unvorstellbares Maß an Flexibilität. Zugleich arbeiten viele Beschäftigte mehr als 35 Stunden. Auch die gesellschaftliche Wirklichkeit hat sich verändert: Mehr Frauen sind erwerbstätig, wollen und müssen zugleich ihre Kinder oder pflegebedürftige Angehörige betreuen; immer mehr Männer wollen ihrer Rolle als Familienvater besser gerecht werden. Und so mancher möchte für eine gewisse Zeit im Job mal kürzertreten können. Angesichts der veränderten Situation in den Betrieben, der gewandelten Bedürfnisse der Mitarbeiter sieht die IG Metall Handlungsbedarf in Sachen Arbeitszeit. Sie will deshalb in der kommenden Tarifrunde in die Offensive gehen und dabei den Beschäftigten auch mehr Mitspracherecht in Sachen Arbeitszeit verschaffen. Auf großes Entgegenkommen der Arbeitgeber darf die Gewerkschaft nicht hoffen, Gesamtmetall sprach gestern von „standortpolitischem Wahnsinn“. Noch ist die konkrete Tarifforderung nicht formuliert, aber schon jetzt ist absehbar: Deutschlands größter Industriebranche steht ein heißer Herbst bevor.

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