Politik Kommentar: Ohne Sieger

Der neue Streit zwischen Bayern und Berlin
könnte genau die Falschen treffen.
Wäre alles anders gelaufen, wenn Horst Seehofer in Berlin sein Lieblingsministerium erhalten hätte? Dann wäre der CSU-Chef jetzt, was der SPD-Mann Hubertus Heil geworden ist: zuständig für Arbeit und Soziales. Und dann gäbe es womöglich den Knatsch zwischen dem Bund und Bayern um das neue Familiengeld gar nicht. Oder er bliebe in der Familie, und man böge ihn so hin, wie man den Kompetenzstreit zwischen bayerischer Grenzpolizei und Bundespolizei auch irgendwie hingebogen hat: Bayern kriegt, was es will, oder kann das Ergebnis jedenfalls so darstellen, als hätte es sich durchgesetzt. So aber gilt: Auch wenn Schwarze und Rote im Bund gemeinsam regieren, bleiben sie im Freistaat Gegner. Und das Familiengeld ist beste Wahlkampfmunition für beide. Die SPD kann sagen, die CSU habe von vorneherein wieder einmal nur die Wohlhabenden begünstigen wollen; und die CSU von Ministerpräsident Markus Söder wird sagen, ausgerechnet die Sozialdemokraten raubten den Bedürftigen die größten Wohltaten. Einen Sieger wird es da vor der Wahl nicht mehr geben; und wessen Rechtsauffassung die richtige ist, steht womöglich erst in ein paar Jahren fest. Man kann nur hoffen, dass dann Menschen, die ohnehin kein Geld haben, nicht auch noch in einem Schwung das zurückzahlen müssen, was ihnen eine CSU im Geld- und Wahlkampfrausch trügerisch überwiesen hat. Oder gibt dann auch Markus Söder seine Wählerstimmen zurück?