Kommentar
Kommentar: Es läuft – für Trump
Die Ukraine-Affäre könnte US-Präsident Trump sehr schaden. Aber im Moment ist es genauso plausibel, dass sie ihm nützt.
So verworren die Sache erscheint, so groß ist doch ihre Sprengkraft. Hat Präsident Trump den ukrainischen Staatschef unter Druck gesetzt, damit dieser ihm hilft, die Kandidatur seines Kontrahenten Joe Biden zu beschädigen? Es sieht so aus. Aber was heißt das?
Biden ist der Kandidat der Demokraten-Partei, den Trump am meisten fürchtet. Biden ist pragmatisch und erfahren, er begeistert nicht, aber kann über die Stammwählerschaft hinaus Stimmen gewinnen. Genau da setzt Trump an in seiner Reaktion auf die Ukraine-Affäre. Sie wirft zwar ein übles Licht auf Trump. Aber der tut, was er immer tut und bläst einfach zur Gegenoffensive. Die verheißt nichts Gutes für Biden, denn es stimmt ja, dass auch er als Vizepräsident Druck auf die Ukraine ausübte. Und dass sein Sohn dort Geschäfte macht, stimmt auch. Ob hinter Bidens Handeln familiäre Motive steckten, ist (leider) völlig egal. Irgendetwas bleibt hängen.
Lachende Dritte heißt Warren
Lachende Dritte ist die linke Demokraten-Kandidatin Elizabeth Warren. Sie legt in Umfragen immer weiter zu. Trump wünscht sich geradezu, dass sie sich im Demokratenfeld durchsetzt. Er könnte den zugespitzten Wahlkampf führen, den er trefflich beherrscht: Rechts gegen Links, Mann gegen Frau, pragmatischer Wirtschaftsmann gegen radikale Ideologin. Dass Trump nun Biden nicht mehr als Sleepy (schläfrigen) Joe, sondern als crooked (verbrecherischen) Joe hinstellt wie einst Hillary Clinton, ist eine Volte – aber auch das ist ja typisch Trump.