Politik Kommentar: Einfallstore

Die Sicherheitslücken in einer Software gefährden nicht die
Bundestagswahl, offenbaren aber eine beunruhigende Sorglosigkeit.
Noch vor wenigen Wochen ging die Angst um vor Cyberattacken und Fake News. Sicherheitsexperten befürchteten, dass ausländische Akteure versucht sein könnten, durch Hackerangriffe und gezielt gestreute Desinformation Einfluss auf die Bundestagswahl zu nehmen. Als abschreckendes Beispiel diente das mutmaßlich von Russland ausgehende Störmanöver bei der US-Präsidentschaftswahl. Inzwischen klingen die Warnungen verhaltener, weil noch keine größeren Manipulationsversuche bekanntwurden. Das muss nicht so bleiben bis zum 24. September. Und die jetzt aufgedeckten Mängel in einer bei Wahlen vielfach genutzten Software zeigen, dass es Angreifern noch zu leicht gemacht wird. Das Programm war gegen unerwünschte Eingriffe offenbar nicht ausreichend geschützt und wurde nie richtig getestet. Es dient zur Erfassung und Aufbereitung der Auszählungsergebnisse. Die liegen, wie die Stimmzettel, immer auch auf Papier vor. Der Wahlausgang kann letztlich nicht verfälscht werden. Doch vertrauensbildend wirkt der Vorgang nicht. Hier wurde sorglos mit Fragen der IT-Sicherheit umgegangen. Einen positiven Aspekt hat das Ganze: Das Thema rückt wieder einmal ins öffentliche Interesse, was hilfreich sein kann. Denn ein Wähler, der sich generelle Sicherheitsrisiken durch das Internet, Einfallstore für Angreifer, Manipulationsmöglichkeiten und Mechanismen möglicher Kampagnen bewusst macht, wird sich hoffentlich nicht so leicht beeinflussen lassen.