Politik Kommentar: Die Probleme bleiben

Nach der Krise ist vor der Krise: Noch immer kommen täglich
Hunderte Migranten nach Europa. Nur diesmal nicht nach Deutschland.
In Teilen der EU atmet man bereits vorsichtig auf. Ist es vorbei? Es scheint so. Auch in Deutschland: Die Schulen bekommen ihre Turnhallen zurück, eilig erbaute Flüchtlingsunterkünfte stehen leer. Erfreulich ist, dass in diesem Jahr auch die Anzahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gesunken ist. Es sind nun etwa wieder so viele wie vor der Krise. Die Migrationskrise ist aber mitnichten beendet. Nur ein kurzer Blick nach Italien würde reichen, um zu erkennen, dass sie stattdessen auf einen neuen Höhepunkt zusteuert. Nur spielt sich das Ganze dieses Mal nicht am Münchener Hauptbahnhof ab, sondern in den Häfen Siziliens. Dort kommen statt Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland Syrien vor allem Menschen aus Afrika an, die vor politischer Verfolgung oder Armut fliehen. Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben, die sich in die Hände skrupelloser Schlepper begeben. Italien registriert inzwischen jeden Migranten in den Hotspots, nach den Regeln der EU. Und die besagen auch, dass ein Flüchtling in dem Land Asyl beantragen muss, in dem er die Union zum ersten Mal betreten hat. Die Aufnahmekapazität Italiens aber hat Grenzen. Davor darf man nicht die Augen verschließen, wie es der Rest Europas zu tun scheint. Ganz abgesehen von den Tragödien, die sich tagtäglich auf dem Mittelmeer abspielen, führt das Ignorieren der aktuellen Umstände dazu, dass heimlich, still und leise eine neue Welle von Problemen auf Europa und damit auch auf Deutschland zurollt.