Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Die Alternative für Deutschland kapert den Klimaschutz

Der Kampf gegen Klimaschutzmaßnahmen gehört nun zum Markenkern der AfD: Alexander Gauland.
Der Kampf gegen Klimaschutzmaßnahmen gehört nun zum Markenkern der AfD: Alexander Gauland. Foto: dpa

Die AfD schießt sich auf den Klimaschutz ein, um so verunsicherte Bürger als Wähler zu ködern. Die Aufregung um die Aktivistin Greta Thunberg kommt ihr dabei gerade recht.

Am Wochenende hat der Ko-Parteichef der Alternative für Deutschland, Alexander Gauland, offen ausgesprochen, was sich schon länger abzeichnet: Die AfD will den Widerstand gegen Klimaschutzmaßnahmen zu einem ihrer wichtigsten Themen machen. Die beiden anderen Säulen, auf denen die Partei ruht, sind das Kontra zur Flüchtlingspolitik und das Nein zum Euro.

Natürlich geht es der AfD gar nicht ums Klima. Dies ist vielmehr ein Thema, das sich wunderbar ausschlachten lässt, um so Wähler an sich zu binden. Es ist ja kein Zufall, dass bei den Urnengängen in der jüngeren Vergangenheit zwei Parteien Erfolge feierten, die sich – vor allem beim Klima und in der Flüchtlingsfrage – diametral gegenüberstehen: die Grünen und die AfD.

Umstellung im Alltag

Nun zeichnet sich ab, dass der Kampf gegen den Klimawandel künftig ernsthafter geführt wird. Das bedeutet, dass sich die Bürger im Alltag umstellen müssen. Sich zum Heizen einfach eine Ölheizung in den Keller zu stellen, wird nicht mehr möglich sein – oder es wird teuer. Auch die Industrie muss sich umstellen. So werden in der deutschen Automobilbranche Arbeitsplätze wegfallen, wenn vermehrt Elektroautos hergestellt werden.

All dies sind Zumutungen. Dabei fühlen sich viele jetzt schon mit Veränderungen überfordert. Etwa mit der Digitalisierung, die immer mehr bestimmt, wie Bankgeschäfte ablaufen, was sich im Berufsleben abspielt. Dazu kommen die Auswirkungen, die eine international vernetzte Ökonomie mit sich bringt – und die ja nicht nur positiv sind.

Diesen Verunsicherungen spürt die AfD nach; die damit verbundene Verärgerung will sie verstärken – und in Wählerstimmen ummünzen. Wie Emotionen geschürt werden, davon zeugt schon der Titel eines Films, den die AfD-Bundestagsfraktion auf ihrem Youtube-Kanal sendet: „Dieselmord im Ökowahn!“. Das ist herrlicher Unsinn, weil schon sprachlich nichts stimmt: Ermorden lassen sich allenfalls Menschen.

Unsinnig ist auch die Behauptung der AfD, dass der menschengemachte Klimawandel in der Fachwelt umstritten sei. Erst im August wollte die Fraktion von der Bundesregierung mittels einer Anfrage wissen, ob diese sich der Meinung anschließe, dass die These, der Mensch treibe den Klimawandel voran, wissenschaftlich unbestritten sei. Antwort der Regierung mit Blick auf die internationale Wissenschaft: Inzwischen seien 99 Prozent der Forscher, die Fachaufsätze veröffentlichten, dieser Überzeugung.

Einfach nicht existent

Dennoch stellen sich AfD-Politiker, die keine Klimaexperten sind, breitbeinig hin und erklären das Klimaproblem für nicht existent. Die junge Aktivistin Greta Thunberg kommt ihnen dabei wie gerufen. Die 16-jährige Schwedin schlägt einen zunehmend anklagenden Ton an und wird getragen von einem riesigen medialen Hype.

Mit nicht zufällig gewählten Vokabeln wie „irrsinniger Klimahype“ spielen AfD-Politiker darauf an, dass Thunberg am Asperger-Syndrom leidet, einer Form des Autismus, die dazu führen kann, dass sich die häufig sehr intelligenten Menschen in ein Spezialinteresse vertiefen. Es ist ein alter rhetorischer Trick: Die Person, die für ein Anliegen steht, wird demontiert – und gleichzeitig das Problem ad absurdum geführt. Auf eine Frage aber hat die AfD keine Antwort: Warum sollte sich die junge Generation nicht wehren, wenn jetzt die Weichen für mehr Klimaschutz nicht gestellt werden – und die Jugend von heute das im wahrsten Wortsinn in ein paar Jahrzehnten ausbaden sollte? Die Alternative für Deutschland bietet beim Klimaschutz keine Alternative.

Wirft den Politikern Versagen beim Klimaschutz vor: die 16-jährige Greta Thunberg aus Schweden.
Wirft den Politikern Versagen beim Klimaschutz vor: die 16-jährige Greta Thunberg aus Schweden. Foto: dpa
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