Politik Kommentar: Abgang überfällig

Palästinenserpräsident Abbas’ antisemitische Rede unterstreicht,
dass er ein greiser, unbeliebter Anführer auf Abruf ist.
Zwei Wochen vor der angekündigten Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem und inmitten einer Serie blutiger Zusammenstöße an der Grenze zum Gazastreifen hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eine Rede gehalten, die zeigt, wie überfällig sein Abgang ist. 2004 beerbte er Yassir Arafat, seit 2009 ist seine Amtszeit eigentlich abgelaufen. Er herrscht ohne Mandat. Erschöpft und geschlagen ringt Abbas um Aufmerksamkeit und sagt Dinge, die schlicht nicht stimmen: Israel sei ein kolonialistisches Projekt ohne jeden Bezug zu den Juden; Pogrome und Holocaust seien die Folge von Wucher. Mit derartigen Provokationen verschafft sich der 82-Jährige zwar kurzfristig Schlagzeilen, nährt aber gleichzeitig den Verdacht, dass es um seinen Verstand nicht mehr allzu gut bestellt ist. Die Quintessenz seiner Rede vom Montag, nämlich dass er nach wie vor die Koexistenz der zwei Staaten Palästina und Israel anstrebt, hat in der Aufregung kaum noch jemand mitbekommen. Besser hätte der Palästinenserchef die israelische Führung nicht bedienen können bei ihrer Argumentation, sie habe keinen Partner für Verhandlungen. Fast 70 Prozent der Palästinenser sind ihren Präsidenten leid, wie aktuelle Umfragen belegen. Was Abbas von den Juden hält, interessiert die meisten herzlich wenig. Schließlich ist es nicht so, dass man keine anderen Sorgen hätte: Etwa fällt Abbas zur Lage im Gazastreifen nichts anderes ein, als wieder zu drohen, den Geldhahn weiter zuzudrehen.