EU-Kommission
Kein Tiktok mehr auf Diensthandys
Die Mitarbeiter der EU-Kommission staunten nicht schlecht, als sie am Donnerstagmorgen in ihr E-Mail-Postfach schauten. Dort fanden sie eine Nachricht des Verwaltungsrats aus der Zentrale in Brüssel, in der sie aufgefordert wurden, die Social-Media-App Tiktok von ihren Diensthandys zu löschen. Auch auf privaten Geräten, die EU-Anwendungen nutzen, soll die App des chinesischen Unternehmens Bytedance entfernt werden.
Der Grund für diesen Schritt sei, die „Daten der Kommission zu schützen und ihre Cybersicherheit zu erhöhen“, heißt es in der Mail. Verbunden ist die Ankündigung mit dem drohenden Hinweis, dass auf den Diensthandys wichtige Anwendungen wie das E-Mail-Programm der Kommission oder Skype gesperrt würden, sollte Tiktok nicht sofort entfernt werden.
Die App des chinesischen Konzerns Bytedance ist zuletzt in die Kritik geraten, nachdem bekannt wurde, dass Tiktok weltweit auf persönliche Daten der Nutzer zugreifen konnte. Konkret ging es etwa darum, dass Journalisten der „Financial Times“ ausspioniert und deren Standortdaten gespeichert wurden.
Trump wollte Tiktok verbieten
In den USA drohte der damalige Präsident Donald Trump vor einigen Jahren mit einem Verbot von Tiktok. Er verwies auf die Sorge, dass chinesische Behörden mit Hilfe von Nutzerdaten Informationen über Amerikaner sammeln könnten. Auch Joe Bidens Regierung übt Druck auf den Dienst aus. Das „Wall Street Journal“ berichtete zuletzt, Tiktok habe Washington einen Plan zu einem weitreichenden Umbau des US-Geschäfts vorgelegt, um in den USA aktiv bleiben zu können.
Auch die EU blickt kritisch auf die App. Bei seinem Besuch in Brüssel wurde Tiktok-Chef Shou Zi Chew jüngst ausdrücklich zur Einhaltung europäischer Daten- und Jugendschutzregeln ermahnt. Dabei geht es vor allem um den Schutz personenbezogener Daten, die Sicherheit von Kindern auf der Plattform sowie die recht ungehemmte Verbreitung russischer Desinformation. Der Konzern weist natürlich den Verdacht des Datenmissbrauchs weit von sich.
Nur Lippenbekenntnisse?
Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte zum Tiktok-Bann auf EU-Dienstgeräten: „Wir sind von dieser Entscheidung enttäuscht, die unserer Meinung nach fehlgeleitet ist und auf grundlegenden Missverständnissen beruht.“ Man habe sich mit der EU-Kommission in Verbindung gesetzt, um dies richtigzustellen.
In den Ohren der EU-Verantwortlichen sind das allerdings vor allem Lippenbekenntnisse. Auch nach dem Treffen mit dem Tiktok-Chef hatte Vera Jourova, Vize-Präsidentin der EU-Kommission, einst noch gehofft: „Ich zähle darauf, dass Tiktok seine Zusagen vollständig einhalten wird, um EU-Recht zu respektieren und Vertrauen der europäischen Regulierungsbehörden zurückzugewinnen.“ Das hat offensichtlich nicht optimal funktioniert.