Meinung
Katholikentag in Stuttgart: Kirche im Krisenmodus
Krisen, wohin man schaut: Krieg in der Ukraine, Klimakatastrophe, soziale Auseinandersetzungen in der Corona-Pandemie. Viele Menschen sind zermürbt, fühlen sich erschöpft. Wie wichtig wäre da eine mutmachende Stimme, eine Stimme, die Impulse setzt für gesellschaftliches Zusammenhalten. Diese Stimme könnte die Kirche sein, doch die katholische Kirche steckt tief in einer Krise – selbst verursacht durch das Versagen bei der Aufklärung des Missbrauchsskandals und jahrelange Debatten um die immer selben Themen, die notwendigen Reformen.
Dieser Krisenmodus zeigte sich auch in Stuttgart. Zu dem Christentreffen kamen etwa 27.000 Menschen (7000 Mitwirkende); der Katholikentag 2018 zog noch 90.000 Gläubige nach Münster. Aber das nachlassende Interesse allein mit Corona zu erklären, reicht bei Weitem nicht aus.
Konservativen haben sich schon abgemeldet
Viele Engagierte blieben zu Hause – aus Frust, Enttäuschung oder weil sie kaum mehr Hoffnung auf Reformen in dieser Kirche haben. Und die Konservativen, die wollen, dass in der Kirche alles bleibt, wie es ist, haben eh schon eigene Formate der Zusammenkünfte entwickelt. Auch ihre prominenten Vertreter wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer blieben Stuttgart fern.
Der Katholikentag repräsentiert nicht mehr die katholischen Laien in Deutschland. 27.000 Teilnehmer, 1500 mehr oder wenig gut besuchte Veranstaltungen, Kosten von zehn Millionen Euro: Das bisherige Modell Katholikentag ist so nicht mehr zu halten. Es braucht neue Formen – und vor allem mehr Ökumene.