Politik
Karikaturist Haitzinger: Ein Meister der spitzen Feder sagt leise servus!
Da werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich genauso wie wir in der Redaktion, nur schweren Herzens dran gewöhnen: an die RHEINPFALZ ohne die spitze Feder von Horst Haitzinger. Ja, in der heutigen Ausgabe, hier in diesem Artikel, erscheint zum letzten Mal eine aktuelle Karikatur von ihm – mit spitzbübischem Selbstporträt. Denn Horst Haitzinger, im Juni 80 geworden, legt den Tuschestift endgültig hin.
Insgeheim hatten wir gehofft, dass er das gar nicht kann: leben ohne den täglichen, gezeichneten Kommentar zum politischen Geschehen. Denn auch in einem Alter, in dem die meisten längst in Rente sind, sprudelten sie gleichsam aus ihm heraus, die Karikaturen, die so etwas sind wie das Salz in der Suppe der Kommentarspalten einer Zeitung.
Klarer Strich und Ironie
Politische Karikaturen sind eine Kunstform – zeichnerisch und journalistisch. Sie bedürfen des klaren Striches, der Phantasie, der Ironie, des Meinungsmutes. Horst Haitzinger ist zweifellos einer der größten Künstler der Karikatur in Deutschland. Seine Zeichnungen sind unmissverständlich, die von ihm gemalten Personen sind unverkennbar, seine Kritik ist unzweideutig, mal plakativ, mal hintergründig.
Nicht zuletzt versteht es Horst Haitzinger wie kein anderer Zeichner, uns zum Lachen zu bringen. Er ist der Humorist unter den Karikaturisten. Und er hat weder (partei-)politische Vorlieben noch Lieblingsgegner: Er hat alle aufs Korn genommen: ob Adenauer oder Schumacher, Brandt oder Barzel, Kohl oder Lafontaine, Schröder oder Fischer, Merkel oder Kretschmann ... Was Wunder, dass keiner solche Abdruckquoten in deutschen Zeitungen erzielte wie er.
Ein „Haitzinger“ befreit aus der Not
Für uns in der Redaktion war auf ihn immer Verlass. Auch an Tagen, an denen das Geschehen es den Karikaturisten schwer machte, eine Idee für einen gezeichneten Kommentar zu bekommen, und an denen wir bangten, die Pflichtrubrik Karikatur überhaupt füllen zu können, spuckte das Fax doch irgendwann einen „Haitzinger“ aus, blinkte im PC sein Absender und befreite uns aus der Not.
Horst Haitzinger ist 1939 in Eferding, einer Kleinstadt in Niederösterreich geboren. An der Kunstgewerbeschule in Linz studierte er zunächst Gebrauchsgrafik. Dann ging er nach München und studierte Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste. München wurde seine Heimat. Er mag die bayerische Lebensart, vor allem ihre liberale Ausprägung – obwohl die CSU seine legendären Karikaturen von Franz-Josef Strauß selten goutierte.
Erste Karikaturen im „Simplicissimus“
1958 veröffentlichte Haitzinger erste Karikaturen in der Satirezeitschrift „Simplicissimus“. Seit 1963 arbeitete er freiberuflich, und immer mehr Magazine und Zeitungen wollten seine Zeichnungen gegen den Strich. Bis heute sind mehr als 15.000 von ihm veröffentlicht worden. Eigentlich unvorstellbar!
Horst Haitzinger ist vielfach ausgezeichnet. Er ist auch Träger des „Thomas-Nast-Preises“, der nach dem in Landau geborenen und in den USA berühmt gewordenen Zeichner benannt ist.
Lieber Horst Haitzinger, im Namen der RHEINPFALZ-Redaktion und ungezählter Leserinnen und Leser sagen wir Ihnen ein großes, herzliches Dankeschön. Ihre spitze Feder wird uns fehlen. Alles Gute für Sie.