Glosse
Kanzler, Kant und KI
Gerade erst hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Immanuel Kant gewürdigt, der am Montag dieser Woche vor 300 Jahren geboren wurde. Der Philosoph lebte in Königsberg, das heute Kaliningrad heißt und zu Russland gehört. Kant hat seine Heimatstadt nie verlassen, während Scholz gerne reist, wie er beim Festakt bekannte. „Eigene sinnliche Wahrnehmung, eigenes Erleben und eigene Anschauung, das schadet eigentlich nie“, gab sich Scholz als Aufklärer.
Kurz zuvor war der Kanzler passenderweise von einer kurzen Reise in die niedersächsische Landeshauptstadt zurückgekehrt, wo er die Hannover Messe besucht hatte. Dort durfte er sinnlich durch eigenes Erleben und eigene Anschauung wahrnehmen, dass Reisen bildet – gerade dann, wenn nicht immer alles klappt, wie es sollte.
Scholz ruft: Schneller!
Am Messestand von Siemens ging es zwar nicht um Kant, doch der große Jubilar lieferte das passende Motto zu einer denkwürdige Vorführung: „Es gibt nur eine Ausflucht vor der Arbeit: andere für sich arbeiten zu lassen.“ Dieses dem Philosophen zugeschriebene Zitat wurde lebendig bei der Demonstration eines Roboter-Greifarms, dessen Bestimmung es ist, die Arbeit für andere zu erledigen.
Nach der Aufforderung, Scholz möge dem Roboter per innovativer KI-Sprachsteuerung Befehle geben, fragte der Inhaber der Richtlinienkompetenz: „Können wir das Tempo schneller machen?“ Was den Roboter offenbar innerlich lediglich die Achseln zucken und dadurch recht menschlich wirken ließ. Es geschah nämlich nichts.
Scholz ruft: Noch schneller!
Daraufhin wurde Scholz im Rahmen seiner Möglichkeiten lauter: „Schneller!“ Keine Reaktion. Dann: „Noch schneller!“ Erst nach einigen Wiederholungen wurde das Kommando umgesetzt. Dies veranlasste die Nachrichtenagentur dpa dazu, eine Meldung über das Ereignis so zu betiteln, als habe eine Wrestling-Show mit einem catchenden Kanzler stattgefunden: „Scholz ringt mit KI-Roboter.“
Am Ende amüsierte man sich über den klassischen Vorführeffekt mit einem zickenden Roboter. Siemens-Vorstand Cedrik Neike machte das Beste aus der Situation und kam mit einem Vergleich: „Es ist wie in der Politik. Es dauert etwas länger, bis es klappt, aber wenn es klappt, klappt es richtig.“ Ein echter Philosoph.