Politik Kampfansage an Schlendrian und Korruption
Offiziell ist die Gesundheitsversorgung in der Ukraine kostenlos. In Wirklichkeit geben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge Ukrainer durchschnittlich 25 Prozent ihres Einkommens dafür aus. Gründe hierfür sind Misswirtschaft und Korruption.
Die geschäftsführende Gesundheitsministerin Uljana Suprun hat jetzt einen Reformentwurf vorgelegt, der Missstände im Gesundheitssystem unterbinden und die Versorgung der Bürger verbessern soll. Laut Verfassung ist die Gesundheitsversorgung staatlich und kostenlos – ein Überbleibsel aus der Sowjetzeit. 3,5 Prozent des ukrainischen Bruttosozialprodukts werden hierfür aufgewendet. Doch nur ein Bruchteil kommt an. Oft müssten Ärzte oder Klinikpersonal bestochen werden, damit sie Kranke überhaupt behandelten, berichten Patienten. Medikamente und Impfstoffe, vom Staat bezahlt und an Ärzte und Krankenhäuser weitergegeben, würden dennoch den Patienten in Rechnung gestellt. Wer nicht bezahle, gehe leer aus. Verschiedene Staatsanwaltschaften ermitteln gegen Ärzte, die riesige Vermögen angehäuft haben. Darüber hinaus sind Experten zufolge fast die Hälfte aller in ukrainischen Apotheken verkauften Medikamente Fälschungen. In Zukunft sollen Zuwendungen an Krankenhäuser nicht mehr an die Ärzte- und Bettenzahl sondern an die konkreten Ausgaben für die Patienten gekoppelt werden. Darüber hinaus schlägt die Ministerin die Einführung eines Systems von Hausärzten vor. Diese sollen kein festes Gehalt mehr bekommen, sondern entsprechend ihrer Patientenzahl entlohnt werden. Damit, so hofft Uljana Suprun, seien sie gezwungen, sich besser um die Kranken zu kümmern, da die Patienten nun auch den Arzt wechseln dürften. Bisher bekommen sie ihn zugewiesen. Die medizinische Grundversorgung soll auch in Zukunft vom Staat bezahlt und dann auch wirklich kostenlos sein. In dem Reformpapier wird vorgeschlagen, den Rest über eine Krankenversicherung abzudecken, deren Tarife festgelegt werden. Noch im September soll das Parlament in Kiew über die Reform abstimmen.