Corona-Pandemie
Junge Generation: Sicher ist nur die Unsicherheit
Es dürfe keine „Generation Corona“ geben, wurde im vergangenen Jahr häufig gewarnt, wenn es um die – negativen – Auswirkungen der Pandemie für junge Menschen und deren berufliche und private Belange ging. Inzwischen wird immer deutlicher, dass Corona tiefe Spuren im Leben, im Denken und Empfinden vieler Jugendlicher und junger Erwachsener hinterlässt. Das zeigt auch eine Studie, die die IG Metall am Mittwoch vorstellte.
Was die Befragungen von mehreren tausend jungen Menschen zwischen 16 und 27 Jahren ergeben haben, lässt erahnen, wie frontal die Pandemie diese Altersgruppe erwischt hat. So äußerten 61 Prozent der mehr als 3000 Teilnehmer einer internen Befragung für die IG-Metall-Geschäftsstellen, dass sich ihre psychische Gesundheit während der Corona-Pandemie verschlechtert habe. Bei einer parallel durchgeführten repräsentativen Umfrage unter 1000 jungen Menschen stimmte die Hälfte dieser Einschätzung zu. Die Befunde stünden für die „alarmierende Situation der Jugend“, schlussfolgern die Macher der Studie und listen zugleich die Folgen für die Betroffenen auf: verringertes Selbstwertgefühl, Depressionen und Angstzustände sowie ein Gefühl der Perspektivlosigkeit.
Gefühl des Kontrollverlusts
Damit einher geht bei vielen das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren – weil Zukunftspläne durchkreuzt, Freiheiten eingeschränkt werden. In den beiden Befragungen berichteten 42 beziehungsweise 51 Prozent vom Gefühl des Kontrollverlusts – was häufig auch mit Zukunftsängsten einhergeht. Daraus wiederum erwächst offenbar bei vielen das Gefühl, ihre bisherigen Planungen überdenken zu müssen. So geben etwa zwei Fünftel der befragten Auszubildenden, Studierenden und Berufstätigen an, dass sich ihre beruflichen Pläne in Pandemie-Zeiten komplett oder zumindest teilweise verändert hätten. Dabei mag auch eine Rolle spielen, dass insbesondere die Situation an Berufsschulen von vielen Auszubildenden sehr kritisch gesehen wird. Dort habe sich die Lage währender Pandemie massiv verschlechtert, bemängeln 71 Prozent der befragten Azubis.
Angesichts solcher Befunde warnte Christiane Benner, die Zweite Vorsitzende der IG Metall, vor „gravierenden Folgen“, sollte sich die Lage der Jungen nicht nachhaltig verbessern. „Ein Anstieg von Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel wäre die Konsequenz“, sagte Benner.
Kontakt zu Freunden geht verloren
Aber es sind nicht nur berufliche Sorgen, die die jungen Menschen umtreiben. So haben sich für mehr als die Hälfte der Befragten die Beziehungen zu ihren Freundinnen und Freunden in der Pandemie verschlechtert – Folge, so die Forscher, sei ein „fortschreitender Prozess der Entfremdung“. „Die Jugendlichen haben sich wirklich eingeigelt“, sagte der Jugendforscher Simon Schnetzer, der gemeinsam mit der IG Metall die Studie erarbeitet hat.