Politik Jetzt droht die Kirchenspaltung
Christliche Kirchen sollen versöhnen und sich für Frieden einsetzen. So lautet zumindest die Theorie. Dass die Praxis bisweilen ganz anders aussieht, belegen 2000 Jahre Geschichte samt Kreuzzügen, Glaubenskriegen und politischen Intrigen bis hin zu Hexenverbrennung. Und auch im 21. Jahrhundert schaffen es die Gottesmänner nicht immer, das Wohl der Menschen über eigene Machtgelüste zu stellen. Das aktuellste Beispiel dafür, dass es mit Frieden und Versöhnung nicht weit her ist, lieferte jetzt die russisch-orthodoxe Kirche unter ihrem Patriachen Kyrill I., einem engen Freund von Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Eine außerordentliche Bischofssynode in Moskau hat beschlossen, den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, der als informelles Oberhaupt der Orthodoxie gilt, nicht mehr anzuerkennen. Der Grund: Patriarch Bartolomaios I. hatte zwei Bischöfe für die Ukraine ernannt, die die Bildung einer eigenständigen, von Moskau unabhängigen ukrainisch-orthodoxen Kirche vorbereiten sollen. Bereits 1992, als die ehemalige Sowjetrepublik Ukraine zum unabhängigen Staat wurde, sagte sich ein großer Teil der orthodoxen Gemeinden von der russisch-orthodoxen Kirche los. Dies hat das Moskauer Patriarchat jedoch nie anerkannt. In den Folgejahren gab es immer wieder zum Teil gewalttätige Auseinandersetzungen darüber, zu welchem Patriarchat Kirchengemeinden gehören sollten. Umfragen zufolge fühlt sich die Mehrheit der Ukrainer Kiewer Patriarchat zugehörig, das während der Maidan-Revolution 2013/14 die Demonstranten unterstützte und beschützte. Das Moskauer Patriarchat besitzt nur noch in der Ostukraine größeren Einfluss. Zum Krieg in der Osten des Landes bezogen die Patriarchate eindeutig Stellung. Während Kyrill I. für das „heilige Russland“ betete, segnete sein ukrainischer Amtsbruder Filaret in Kiew Soldaten, die gegen die Rebellen in den Kampf zogen. Als Mittler zwischen Kiew und den Rebellen im Osten des Landes sind die Kirchen daher ein Totalausfall. Dass Patriarch Bartolomaios I. nun eine eigenständige ukrainische Kirche anerkennen will, entfacht in Moskau ganz unchristlichen Zorn. Sollte dem Patriarchat in der Ukraine Eigenständigkeit zugebilligt werden, sehe sich die russisch-orthodoxe Kirche gezwungen, „die eucharistische Gemeinschaft zu beenden“, drohte der Leiter des kirchlichen Außenamtes, Metropolit Hilarion.