Coronavirus
In Schwarzafrika ist Covid-19 die Krankheit der Reichen
Kyari wurde am Samstag in der Hauptstadt Abuja begraben. Er war Stabschef des nigerianischen Staatschef Muhammadu Buhari und Herr über den Zugang zum Präsidenten der bevölkerungsreichsten Nation des Kontinents. Der in der Schweiz und Großbritannien ausgebildete Manager soll de facto als Premierminister der größten afrikanischen Wirtschaftsmacht gewirkt haben.
Kyari hatte sich vermutlich beim Besuch der Siemens-Zentrale Mitte März in München angesteckt. Dort sei es um Lösungen für die marode Elektrizitätsversorgung Nigerias gegangen, heißt es. Nach seiner Rückkehr ging Kyari nicht in die vorgeschriebene zweiwöchige Quarantäne, traf sich mit dem 77-jährigen Präsidenten und hochrangigen Politikern. Nach Kyaris Erkrankung Ende März wurde auch Buhari auf Covid-19 getestet: mit negativem Ergebnis. Zunächst schien Kyaris Erkrankung eher mild zu verlaufen, verschlechterte sich jedoch offenbar auch wegen der Zuckerkrankheit des 67-Jährigen zusehends.
In normalen Zeiten hätte sich Kyari in Europa behandeln lassen
Vor der Corona-Pandemie wäre der Stabschef zur Behandlung nach Europa oder Asien gereist – wie sein Chef Buhari, der vor drei Jahren über fünf Monate in Großbritannien gegen eine geheim gehaltene Krankheit behandelt wurde. Dass sich die Eliten afrikanischer Staaten zur medizinischen Betreuung ins Ausland begeben, ist in weiten Teilen des Kontinents wegen der schlechten Gesundheitsversorgung in ihrer Heimat üblich. Vor zwei Jahren wurde Gabons Präsident Ali Bonga nach einem Schlaganfall nach Saudi Arabien geflogen, sein simbabwischer Amtskollege Robert Mugabe starb in einem Hospital in Singapur.
In Nigeria gab die Regierung in den vergangenen Jahren jeweils nur rund 5 Prozent des Staatsbudgets für die Gesundheitsversorgung aus, obwohl die Afrikanische Union (AU) ihren 54 Mitgliedsstaaten mindestens 15 Prozent empfiehlt. Es gibt nur fünf Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner. Rund die Hälfte der in Nigeria registrierten 75.000 Ärzte und 180.000 Krankenschwestern arbeiten im Ausland. Das Gesundheitssystem des rund 200 Millionen Einwohner zählenden Staats werde unter der Last der Corona-Pandemie vermutlich ganz zusammenbrechen, befürchtet der Chef der Medizinischen Vereinigung Nigerias, Francis Faduyile. In dem westafrikanischen Land wurden bislang rund 550 Infizierte gemeldet, von denen 20 gestorben sind. Der Zenit der Pandemie steht noch bevor.