Meinung
Fragwürdige Verkehrsblockade
Als Verdi Anfang März zu gemeinsamen Protest- und Streikaktionen mit den Klimaschützern von Fridays for Future aufrief, sorgte dieses Bündnis zwar für Aufsehen und mancherlei Kopfschütteln. Die konkreten Folgen aber waren überschaubar. Das wird am Montag, wenn Verdi und die Verkehrsgewerkschaft EVG in Allianz ganztägige Warnstreik initiieren, ganz anders sein. Buchstäblich zu Wasser, zu Lande und in der Luft wird sich kaum noch etwas bewegen.
Bei allem Verständnis, das man in Zeiten hoher Inflationsraten, von Personalmangel und angesichts der Belastungen vieler Beschäftigen für die Forderungen der Gewerkschaften haben kann: Mit einem Warnstreik im bisherigen Verständnis hat das kaum mehr etwas zu tun. Hier werden zig Millionen Menschen, die an den laufenden Tarifauseinandersetzungen gar nicht beteiligt sind, einen Tag lang quasi zur Immobilität verdonnert, während die eigentlichen Adressaten der Aktionen die Arbeitgeber in den Kommunen und bei den Verkehrsgesellschaften sind.
Der zumindest fragwürdige Weg von Verdi
Vor allem Verdi schlägt dabei einen neuen, zumindest fragwürdigen Weg ein. Bisher waren Streikaktionen in aller Regel auf die Zeit vor und gegebenenfalls nach Verhandlungen beschränkt – während miteinander geredet wurde, wurde nicht gestreikt. Die Dienstleistungsgewerkschaft, die ab Montag Vormittag wieder mit den öffentlichen Arbeitgebern verhandeln wird, weicht nun von diesem Prinzip ab. Es sei nur daran erinnert: Das hohe Gut des Streikrechts bedingt auch, dass man damit verantwortungsvoll umgeht.