Politik Flüchtiger Togolese in Ellwangen gefasst
«Ellwangen.» Bei der Razzia in Ellwangen (Ostalbkreis) seien gestern der gesuchte 23-Jährige in Gewahrsam genommen und umfangreiche Durchsuchungen vorgenommen worden, teilte die Polizei mit. Ziel sei es gewesen, zu verhindern, dass sich ein Netzwerk aus Bewohnern bildet, das sich dem deutschen Staat widersetzt. „Wir werden keine rechtsfreien Räume entstehen lassen“, sagte der Vizepräsident der Polizeidirektion Aalen, Bernhard Weber. Auch Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) betonte, es gebe „in Baden-Württemberg keine rechtsfreien Räume“ – und es werde sie auch nicht geben. Der Einsatz in Ellwangen sei „wichtig“ und auch „richtig“ gewesen. Nach Angaben der Einsatzkräfte hielt sich der 23-Jährige in seinem Zimmer auf, als er gefasst wurde. 23 weitere Bewohner hätten teils massiv Widerstand geleistet und seien vorläufig festgenommen worden. Zudem wurden neben dem Togolesen weitere zehn Unruhestifter in andere Flüchtlingsheime verlegt. Dies solle die vermuteten Strukturen dauerhaft „kappen“, sagte Thomas Deines, Referatsleiter im für die Einrichtung zuständigen Regierungspräsidium Stuttgart. In der Nacht zum Montag hatten nach Polizeiangaben rund 150 bis 200 Flüchtlinge in der Unterkunft durch aggressives Verhalten die Abschiebung des 23-Jährigen verhindert. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kritisierte die gescheiterte Abschiebung in Ellwangen scharf und sprach von einem „empörenden Sachverhalt“. Es müsse mit aller Härte vorgegangen werden. Polizeieinsatzleiter Peter Hönle sagte gestern, der zeitliche Verzug bei der Razzia gestern sei Absicht gewesen. Die Bewohner hätten mit einer unmittelbaren Reaktion gerechnet, die Einsatzkräfte hätten aber ein „Überraschungsmoment“ nutzen wollen. Der Deutschland-Repräsentant des UN-Flüchtlingswerks UNHCR, Dominik Bartsch, verurteilte die Gewalt gegen Polizisten in Ellwangen scharf. Er räumte ein, dass Menschen kurz vor einer Abschiebung in einer Ausnahmesituation seien. Vorfälle wie die in Ellwangen schadeten jedoch denjenigen, die in Deutschland auf Schutz angewiesen seien. Kommentar Seite 2, Seite 3