Geld RHEINPFALZ Plus Artikel Finanzwissen: Schulprogramm der Verbraucherzentralen droht Aus

Küsschen für die Minister- und Parteikollegin, die auch die finanzielle Bildung vorantreiben will: die FDP-Politiker Christian L
Küsschen für die Minister- und Parteikollegin, die auch die finanzielle Bildung vorantreiben will: die FDP-Politiker Christian Lindner und Bettina Stark-Watzinger.

Aufgrund des Sparhaushaltes 2025 fehlt es an Geld für ein Programm unabhängiger Verbraucherschützer. Es geht um Fortbildung in Finanzfragen. Gleichzeitig loben sich zwei FDP-Bundesministerien selbst: Sie würden die finanzielle Bildung in Deutschland stärken.

Schule hilf! – Immer wenn Defizite beim Wissen offensichtlich werden, kommen aus der Gesellschaft und aus manchen Ecken der Politik Forderungen wie „Das sollte man am besten in der Schule unterrichten!“

Eine kleine Auswahl gefällig? In den allgemeinen Lehrplan aufgenommen werden sollte beispielsweise ein bisschen Sinologie, also Wissen über China und seine Sprache. Das Land ist schließlich einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Was gesunde Ernährung angeht, wäre mehr Wissen aus der Schule bestimmt auch nicht schlecht, und bei der Digitalisierung hinkt dieses Land, wir alle wissen es, weiter hinterher.

Gedichtanalyse in vier Sprachen

Unterm Strich wird sehr viel gefordert, und die Schule kann bestimmt nicht alles leisten. Doch nicht von ungefähr erzielte 2015 eine damals 17-jährige Schülerin aus Köln mit ihrer Kritik am deutschen Schulsystem per Twitter riesige Aufmerksamkeit: „Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann eine Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen.“

Intensiv wurde über die Sinnhaftigkeit dieser Aussage gestritten. Manche Schulen allerdings scheinen etwas ändern zu wollen. Sie haben dafür gesorgt, dass sich ihre Lehrkräfte bei Alltagswissen weiterbilden – insbesondere mit Hilfe der unabhängigen Verbraucherzentralen. Deren Bundesverband kreierte 2015 (!) das nach eigener Aussage einzige deutschlandweite Angebot, mit Hilfe dessen Verbraucherbildung an Schulen gefördert und Lehrkräfte über Ländergrenzen hinweg vernetzt wurden. Allein im Vorjahr beschäftigten sich so 45.000 Schüler intensiv mit Themen wie Finanzen und Internet-Influencern (die es oft auf das Geld ihrer jungen Follower abgesehen haben).

Wichtig für Verbraucher

Doch diesem Bildungsprogramm droht das Aus. Im Bundeshaushalt fürs kommende Jahr fehlen die Mittel. Und das, so regt sich der Bundesverband der Verbraucherschützer auf, obwohl die Ampel in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten hat, dass bessere finanzielle Bildung für die Verbraucher unabdingbar sei. Womit wir erneut beim Thema „Schule“ wären und der Weisheit: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“.

Doch halt, alles wird gut! Schließlich gibt es die Initiative „Finanzielle Bildung“ und die Internetseite „Mit Geld und Verstand“. Getragen wird die Initiative von den beiden FDP-Ministern Bettina Stark-Watzinger (Bildung und Forschung) und Christian Lindner. Letzterer ist Bundesfinanzministerminister, er hat am Schluss das Sagen, ob Geld für Verbraucherzentralen fließt – oder für die im Wesentlichen von seiner Partei gestützte Initiative, die am 15. Oktober den Schleier über ihr Wirken lüften will. Deutschland war schließlich „das letzte G20-Land, das noch nicht an einer Finanzbildungsstrategie gearbeitet hat“, heißt es von der Initiative.

Konkurrenz vom Staat

Die liberalen Minister, sie arbeiten also an einer Wiedergutmachung. Seit 2023. Die Frage ist: Muss der Staat Verbraucherschützern Konkurrenz machen beim Aufklären über intransparente Finanzprodukte – die somit lukrativ sind für die Anbieter? Werden Schüler bald keine Gedichte mehr interpretieren können und immer noch nicht wissen, was zum Beispiel ETFs sind?

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