Meinung FCK-Coach Lieberknecht – Aufstiegschance und andere Philosophie
Der 1. FC Kaiserslautern ist sich wieder mal der ungeteilten Aufmerksamkeit der nicht kleinen bundesdeutschen Fußball-Anhängergemeinde sicher. Kein Trainerstuhl in den ersten drei Ligen wackelt und fällt so schnell um wie der auf dem Betzenberg.
Ein Blick zurück. Vor drei Jahren trennte sich der FCK vor den Relegationsspielen von Marco Antwerpen, der den Traditionsverein zuvor vor dem Absturz in die Regionalliga bewahrt hatte. Das Vabanquespiel von Geschäftsführer Thomas Hengen ging damals gut aus. Dirk Schuster führte die Roten Teufel in die Zweite Liga und belegte im ersten Jahr einen beachtenswerten neunten Tabellenplatz.
Kein gutes Zeugnis für die Vereinsführung
Im zweiten Jahr, für Aufsteiger oft nicht einfach, war für Schuster am 14. Spieltag Schluss – auf Platz elf bei fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz, der unter Nachfolger Dimitrios Grammozis bedrohlich nah kam. Eine Personalentscheidung, die sehr verwunderte. Dass Mitte Februar 2024 dann mit Friedhelm Funkel ein Feuerwehrmann geholt werden musste, um den Abstieg abzuwenden, stellte der Vereinsführung kein gutes Zeugnis aus.
Die Zeiten des Zitterns und Bangens sollten danach vorbei sein. Ein Trainer, der die Mannschaft weiterentwickelt, wurde gesucht – und gefunden. Kein Defensivspezialist wie Schuster, der auf Konterfußball setzte, weil er auch die Spieler dafür hatte. Ballbesitzfußball, die Initiative selbst übernehmen, war das Credo von Markus Anfang. Ob er die Spieler dafür hatte, darf angezweifelt werden. Er probierte es trotzdem – und gar nicht erfolglos. Außer Kosta Runjaic hat kein Trainer in den vergangenen zwölf Jahren so schnell seine Handschrift auf dem Spielfeld zeigen können. Etwas aufbauen, war die Maßgabe vor der Saison. Den Auftrag hat Anfang erfüllt.
Kader steht nicht für Ballbesitzfußball
Im Sommer hätte die Chance bestanden, den Kader noch mehr auf Ballbesitzfußball auszurichten. Magdeburg und Paderborn, die beiden Vereine, die derzeit die besten Chancen haben, dem FCK den dritten Platz wegzuschnappen, arbeiten beide seit 2021 mit ihren Trainern zusammen. Und zum FCK kommt jetzt ein Coach, der bei seiner letzten Station in Darmstadt erfolgreich war – allerdings nicht mit Ballbesitzfußball. Also wieder eine andere Philosophie.
Und wieder ein Trainer mit Stallgeruch, wie es so schön heißt. Torsten Lieberknecht ist in der Pfalz aufgewachsen, in der Jugend des FCK groß geworden. Das ist Chance und Ballast zugleich. Auch Wolfgang Wolf und Franco Foda wurden einst als heimkehrende Heilsbringer auf dem Berg gefeiert und anschließend gefeuert.
Der FCK kann aufsteigen
Der FCK kann aufsteigen, wenn er drei oder vier der noch ausstehenden vier Spiele gewinnt. Dann haben Thomas Hengen – und die offensichtlich sehr einflussreichen Investoren – alles richtig gemacht. Wenn nicht, hat Torsten Lieberknecht eine erste Hypothek abzuarbeiten. Das ist dem fleißigen und bodenständigen Arbeiter zuzutrauen. Diese Eigenschaften passen auf den Berg, auf dem Fußball, wenn er erfolgreich war, gearbeitet wurde. Lieberknecht hat in Braunschweig und Darmstadt kleine Vereine kurzzeitig groß gemacht. Der Anspruch beim FCK ist höher. Der 51-Jährige ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, auf welchem Feuerstuhl er nun sitzt.
