Meinung
EU: Botschaft an den Kreml
Europa zieht die Schrauben gegen Russland weiter an. Ein wirkliches Machtwort ist das zehnte Sanktionspaket der EU jedoch nicht. Die Ausfuhrsperren für Technologie, das Einreiseverbot für russische Verantwortliche oder auch das Einfrieren von Vermögenswerten dürften den Kreml kaum beeindrucken. Dennoch ist das Paket ein wichtiges Signal der europäischen Geschlossenheit. Bei aller Selbstkritik wird vergessen, dass Europa seit dem Überfall auf die Ukraine Gewaltiges geleistet hat. Die Abhängigkeit von russischen Gas- und Ölimporten ist auf ein Mindestmaß geschrumpft, ohne dass die eigene Wirtschaft in die Knie gegangen ist.
Ein großer Verlierer
Dieser Krieg kennt längst einen großen Verlierer: Wladimir Putin. Der russische Präsident hat nicht nur den Widerstandswillen der Ukrainer, sondern auch die Entschlossenheit des Westens unterschätzt. Zudem sind für die EU die Folgen des Entzugs von russischer Energie schmerzhaft, aber zeitlich begrenzt. Moskau allerdings hat sich seiner wirtschaftlichen Lebensader beraubt.
Putin ist besessen davon, diesen Krieg auf dem Schlachtfeld für sich zu entscheiden. Mit der anlaufenden Offensive versucht er, sein menschenverachtendes Ziel noch zu erreichen. Auf diese Bedrohung muss der Westen reagieren. Der Besuch Joe Bidens in Kiew ist ein starkes Signal, wichtiger für die Ukraine aber sind moderne Waffen und Munition – und zwar schnellstens.