Ukraine-Krieg
Erstmal Eishockey spielen: Details zu Telefonat zwischen Putin und Macron vor Kriegsbeginn enthüllt
Die Szene spielt am 20. Februar dieses Jahres – vier Tage vor dem Überfall der russischen Truppen auf die Ukraine. Russlands Präsident Wladimir Putin will eigentlich Eishockey spielen und befindet sich in einer Sporthalle, als er mit dem französischen Staatschef Emmanuel Macron telefoniert. Dieser reagiert empört auf die Behauptung Putins, die russischen Separatisten in der Ukraine führten einen „konstruktiven Dialog“ mit Kiew.
„Ich weiß nicht, wo dein Jurist studiert hat und welcher Jurist behaupten kann, dass die Gesetzestexte in einem souveränen Land von separatistischen Gruppen vorgeschlagen werden und nicht von einer demokratisch gewählten Regierung“, sagt Macron aufgebracht. „Das ist keine demokratisch gewählte Regierung“, erwidert Putin mit klarer und kalter Stimme. „Sie sind durch einen blutigen Putsch an die Macht gelangt, manche Menschen wurden bei lebendigem Leib verbrannt.“ Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sei einer der Verantwortlichen. Er strebe im Übrigen nach der Atombombe.
Monatelang Macron begleitet
Als Macron ein baldiges Treffen mit US-Präsident Joe Biden in Genf vorschlägt, stimmt Putin „im Prinzip“ zu. Doch dann, nach neun Minuten, bricht er das Gespräch ab: Er müsse jetzt zum Sport.
Was der russische Präsident nicht wusste: Nicht nur Macrons diplomatischer Berater und drei Mitarbeiterinnen waren bei dem Telefonat anwesend, sondern auch der Journalist Guy Lagache. Dieser drehte in jener Zeit einen Dokumentarfilm, wozu er Macron monatelang begleitete. Eigentlich sollte es in dem Werk um die EU-Ratspräsidentschaft gehen, die Frankreich bis Ende Juni innehat. Doch angesichts der Ereignisse heißt der Film nun „Ein Präsident, Europa und der Krieg“; er wird am Donnerstag im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender France 2 ausgestrahlt.
Zerrüttete Beziehungen
Dass die Details eines vertraulichen Gesprächs zwischen Staatschefs veröffentlicht werden, ist unüblich. Dies zeigt zum einen, dass der Élysée-Palast das Engagement Macrons um Frieden herausstellen will. Zum anderen sind die Beziehungen zwischen Putin und Macron offensichtlich so zerrüttet, dass man den Vertrauensbruch in Kauf nimmt. Wohl auch, um Putins Zynismus zu offenbaren, der an Sport denkt, während er einen Krieg vorbereitet. Dabei warnte Macron noch Anfang Juni in einem Interview davor, Putin zu demütigen.