Italien
Erste Festnahmen nach Übergriffen auf Frauen in Mailand
Fast zwei Wochen sind seit der Silvesternacht vergangen, und noch immer ist das volle Ausmaß der Vorfälle auf der Piazza del Duomo in Mailand nicht absehbar. Immer noch melden sich junge Frauen, die angeben, bei der Neujahrsfeier von Gruppen junger Nordafrikaner bedrängt, begrapscht, erniedrigt und zum Teil auch körperlich verletzt und ausgeraubt worden zu sein. Inzwischen können die Behörden immerhin die ersten Ermittlungserfolge vorweisen: Am Dienstag wurden bei 18 Verdächtigen im Alter von 15 bis 21 Jahren Hausdurchsuchungen durchgeführt. Am Mittwoch wurden zwei mutmaßliche Täter festgenommen. Es handelt sich um italienische Staatsbürger nordafrikanischer Abstammung im Alter von 18 und 21 Jahren. Ihnen wird sexuelle Gruppengewalt, Körperverletzung und Raub vorgeworfen.
Zum Fahndungserfolg beigetragen haben zum einen moderne Ermittlungstechnik: Unter anderem konnten die Aufnahmen von Überwachungskameras mit einer Gesichtserkennungssoftware ausgewertet werden. Zum anderen standen der Polizei zahlreiche Aussagen der weiblichen Opfer zur Verfügung, die die Täter zum Teil wiedererkannt haben.
Die ersten beiden Anzeigen hatten zwei zwanzigjährige Studentinnen aus Mannheim erstattet, die berichteten, wie sie auf der Piazza von Mailand von einer Horde junger Männer eingekreist und bedrängt wurden. „Wir dachten, dass wir vergewaltigt oder totgetrampelt werden“, berichtete eine von ihnen. „Ich hoffe, dass uns und allen anderen Frauen, die belästigt wurden, nun Gerechtigkeit widerfährt“, erklärte die Studentin nach den Hausdurchsuchungen.
Polizei steht in der Kritik
Ob sich die Hoffnung erfüllen wird, ist ungewiss. Sicher ist nur, dass an den sexuellen Übergriffen weit mehr als die bisher ermittelten Verdächtigen beteiligt waren. Außerdem ist ein großer Teil der mutmaßlichen Täter noch minderjährig und deswegen nur bedingt strafmündig.
Die Polizei steht in der Kritik, weil sie auf der Piazza del Duomo zwar anwesend war, aber von den Übergriffen offensichtlich nichts mitbekommen oder diese massiv unterschätzt hatte. Der Polizeichef von Mailand, Giuseppe Petronzi, teilt diese Kritik nicht: „Wenn bereits zehn Tage nach den Vorfällen die ersten Verdächtigen ermittelt und ihre Wohnungen durchsucht worden sind, kann man von einer angemessenen und schnellen Antwort auf die Geschehnisse sprechen“, erklärte Petronzi.
Bürgermeister bittet alle Frauen um Entschuldigung
Zehn Tage lang geschwiegen zu den Übergriffen hat auch der linke Bürgermeister Mailands, Beppe Sala – was auch daran lag, dass die Berichte darüber nur langsam und tröpfchenweise öffentlich wurden. Inzwischen hat er die Taten als „sehr schwerwiegend“ und „unwürdig für unsere Stadt“ bezeichnet. Am Montag legte er nach, indem er alle Frauen im Namen der Stadt um Entschuldigung bat und die Anstellung von 500 zusätzlichen Stadtpolizisten ankündigte. Nach den Verhaftungen erklärte Sala außerdem, die Stadt Mailand werde dem Prozess gegen die mutmaßlichen Täter als Zivilklägerin beitreten.
Die politische Rechte – allen voran die Lega von Ex-Innenminister Matteo Salvini – instrumentalisiert die sexuellen Übergriffe nach Kräften. Die Nordafrikaner, die von der Linken „zu Zehntausenden ins Land geholt“ worden seien, hätten die Piazza del Duomo längst „kolonialisiert“ und machten dort Jagd auf junge Italienerinnen.