Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Enttäuschendes Wahlergebnis für IG-Metall-Chef

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Das schlechte Ergebnis für Jörg Hofmann bei seiner Wiederwahl an die Spitze der IG Metall lässt auch manchen Delegierten schockiert und ratlos zurück.

Der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann hat seiner Gewerkschaft in den vergangenen Jahren manches zugemutet, pocht weiter auf Veränderungen. War das schlechte Wahlergebnis die Quittung dafür? Jörg Hofmann versucht erst gar nicht, seinen Gemütszustand zu verbergen. Mit starrer Miene tritt der 63-Jährige ans Mikrofon und erklärt, dass er die Wahl annehme. Eine Wahl, die Hofmann ein Stück weit fassungslos und viele Delegierte ratlos zurücklässt. Nur 71 Prozent Ja-Stimmen, satte 20 Prozentpunkte weniger als bei seiner ersten Wahl an die Spitze der IG Metall vor vier Jahren – das hat niemand erwartet. Herbert Brand aus Kaiserslautern bringt die Stimmung auf den Punkt: Er sei „schockiert“. Und Günter Hoetzl, Bevollmächtigter der IG-Metall-Geschäftsstelle Ludwigshafen-Frankenthal, bezeichnet das Ergebnis als „sehr erschreckend“.

Woran lag“s, dass der Diplom-Ökonom aus dem Rems-Murr-Kreis dermaßen abgestraft wurde? Nachdem der erste Schreck überwunden war, versuchte Hofmann selbst sich an einer Analyse. Die Abstimmung sei eine „Enttäuschung“ und zugleich ein „ehrliches Ergebnis“. Darin drücke sich auch das „Spannungsverhältnis“ aus, in dem sich seine Gewerkschaft derzeit befinde. Angesichts des umfassenden Wandels in der Arbeitswelt und der vielfältigen Herausforderungen müsse sich auch die IG Metall verändern, dürfe sich nicht allein an Besitzständen festklammern, machte Hofmann klar.

Hofmann hat der Gewerkschaft einiges zugemutet

Dabei hat der gemütlich wirkende Gewerkschaftschef seiner Organisation schon in den vergangenen Jahren einiges zugemutet, hat die Erneuerung der IG Metall vorangetrieben und keinen Zweifel daran gelassen, dass dieser Prozess unbedingt weitergehen müsse. Auch in Nürnberg bekräftigte er, dass er die anstehenden Veränderungen offensiv mitgestalten will – eine Herangehensweise, die durchaus nicht unumstritten ist.

Jörg Hofmann steht seit langem für aus Sicht der Gewerkschaft überaus vorzeigbare Tarifabschlüsse. So konnte die IG Metall zuletzt in den Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie durchsetzen, dass bestimmte Beschäftigtengruppen – Schichtarbeiter und jene, die Kinder oder Angehörige pflegen – einen Teil der Lohnerhöhung in zusätzliche Freizeit umwandeln können.

Kritik am Alter des Vorsitzenden

Weniger erfolgreich war die IG Metall beim Versuch, die im Westen geltende 35-Stunden-Woche auch in Ostdeutschland zu verankern. Erst vor wenigen Tagen brach die Gewerkschaft die Verhandlungen mit den Arbeitgebern ab. Bekam Hofmann jetzt die Quittung für die Nicht-Einigung? Oder spielte sein fortgeschrittenes Alter eine Rolle? Am Montag hatte ein Delegierter Hofmann vorgeworfen, es beschädige die Glaubwürdigkeit der Gewerkschaft, wenn einerseits die Rente mit 67 bekämpft werde und andererseits der eigene Vorsitzende bis dahin im Amt bleiben wolle. Hofmann ging auf diese Kritik vor den Delegierten nicht ein – möglicherweise ein Versäumnis.

Dabei gibt es durchaus Argumente für Hofmanns Verbleib. Klimaschutz, Energie- und Mobilitätswende, dazu der Abschwung: Die Metall- und Elektroindustrie und damit auch die IG Metall steuern auf äußerst ungemütliche Zeiten zu. In vielen Betrieben herrsche die „nackte Angst“, ist in Nürnberg zu hören. In solchen Zeiten liegt es nahe, erfahrene Kräfte an der Spitze der Gewerkschaft zu halten. Und Erfahrung bringt Hofmann reichlich mit. Zehn Jahre lang war er Leiter des IG-Metall-Bezirks Baden-Württemberg, war dort an wegweisenden Tarifabschlüssen beteiligt. Schon damals eilte ihm der Ruf des unermüdlichen, akribischen Arbeiters voraus.

Spekulationen über Nachfolge

Die Geschehnisse am Dienstag werfen auch die Frage auf, wie es mittelfristig an der Spitze der IG Metall weitergeht. Dabei fällt immer wieder der Name Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter in Baden-Württemberg. Hält sich die Gewerkschaft allerdings an ihre ungeschriebenen Gesetze, wonach der Zweite dem Ersten Vorsitzenden folgt, würde in vier Jahren Christiane Benner ganz nach vorne rücken. Mit 87 Prozent erreichte die Zweite Vorsitzende nicht ganz die Zustimmungsrate von 2015, lag aber doch deutlich vor Hofmann. Die in Aachen geborene Soziologin wirkt offen und zugewandt, gehört als erste Frau überhaupt dem Führungsduo der weltgrößten Einzelgewerkschaft an. Zu den Aufgaben der 51-Jährigen gehört neben dem Umgang mit neuen Arbeitsformen wie „Crowdworking“ die Ansprache von Beschäftigtengruppen, die lange Zeit nicht zur Stammklientel der IG Metall gehörten, beispielsweise Frauen und Angestellte oder auch Studierende. Fragen zu ihrer Zukunft an der IG-Metall-Spitze blockte sie ab unter Verweis auf die jetzt zu lösenden Probleme.

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