Meinung
Ein Kraftakt: Die Bundeswehr braucht mehr Soldaten
Auf Putins anhaltenden Angriffskrieg in Europa reagiert die Nato mit der größten militärischen Anstrengung zur Verteidigung seit Ende des Kalten Krieges. Das ist leider notwendig geworden. Der Herrscher im Kreml verbirgt sein wahres Gesicht schon lange nicht mehr: Es zeigt sich nicht nur an seinem nun sogar noch verstärkten Angriff in der Ukraine. Es zeigt sich auch in den vielfältigen und zunehmenden hybriden Aggressionen, mit denen er europäische Länder überzieht, und an den zahlreichen militärischen Provokationen an den Ostgrenzen der Nato. Die neuen Planungen der Allianz sind deshalb angemessen und folgerichtig. Ihre Fähigkeiten zur Abschreckung und zur Verteidigung müssen der neuen Lage angepasst werden. Das erfordert eine gewaltige militärische Kraftanstrengung der Nato-Mitgliedsländer, die auch Deutschland zu stemmen hat.
Das Finanzierungsproblem für eine angemessene Ausrüstung der Bundeswehr ist dabei inzwischen zwar geklärt. Die erheblichen Fähigkeitslücken dagegen, die in den vergangenen Jahrzehnten aufklafften, sind aber längst noch nicht geschlossen. Der Bundeswehr fehlen außerdem massiv Soldatinnen und Soldaten: bis zu 60.000 Uniformträger im aktiven Dienst. Noch stärker, nämlich um ein Mehrfaches muss die Reserve aufwachsen. Dieser Kraftakt zur Verteidigung unseres Landes wird ohne eine moderne Form der Wehrpflicht nicht zu schaffen sein.