Politik Ein Diktator wird umgebettet

„Keine Demokratie kann es sich leisten, Denkmäler zu haben, welche eine Diktatur verherrlichen – unsere auch nicht“, sagt Spaniens neuer Ministerpräsident, Pedro Sánchez. Bei dem Monument, das Sánchez nun beseitigen will, handelt es sich um eine gigantische Berggruft für die sterblichen Überreste des früheren Diktators Francisco Franco. Die Grabstätte vor den Toren Madrids wurde bisher mit öffentlichen Mitteln unterhalten und hat sich zum Wallfahrtsort für Rechtsradikale aus ganz Europa entwickelt. General Franco schrieb während seiner bis 1975 dauernden Herrschaft eines der schwärzesten Kapitel der spanischen Geschichte. Die linke Opposition wurde systematisch verfolgt, politische Morde und Folter waren an der Tagesordnung. Nun will der Sozialist Sánchez, der Anfang Juni die konservative Regierung stürzte, das Franco-Monument in eine Gedenkstätte für den Bürgerkrieg und die Opfer der Diktatur umwidmen. Der Sarg des „Führers von Spanien“, wie sich Franco zu Lebzeiten anreden ließ, soll in eine private Ruhestätte der Familie überführt werden. Ein wichtiger Schritt zur Bewältigung von Spaniens dunkler Vergangenheit. Die Exhumierung Francos solle schon „in Kürze“ stattfinden, sagte Sánchez gestern. Wann genau, ließ er offen. Zunächst müssen noch Verhandlungen mit der katholischen Kirche geführt werden, da die Franco-Gruft Teil einer Basilika ist. Gesprochen werden muss auch mit der Familie des Diktators sowie mit der einflussreichen Franco-Stiftung, welche sich gemeinsam gegen die Umbettung des Tyrannen, den sie als „großen Staatsmann“ bejubeln, wehren. Bereits vor einem Jahr hatte Spaniens Parlament mit großer Mehrheit beschlossen, das Franco-Denkmal in ein Mahnmal für die Versöhnung zu verwandeln. Doch der frühere konservative Regierungschef Rajoy weigerte sich, diesen – nicht bindenden – Entschließungsantrag umzusetzen. Er wolle keine „alten Wunden“ aufreißen, meinte er. Deswegen blieben auch die übrigen Forderungen dieser Parlamentsinitiative ohne Auswirkung. Dazu gehört die Gründung einer Wahrheitskommission, um Licht in Spaniens unvollständige Geschichtsschreibung zu bringen, ebenso wie die Annullierung politischer Urteile gegen Oppositionelle. Auch die Entfernung von Symbolen und Straßennamen aus der Franco-Zeit wird gefordert. All dies will Sánchez in Angriff nehmen.