Politik Dutzende Palästinenser sterben am Gaza-Grenzzaun
«Jerusalem.»Die USA haben gestern ihre neue Botschaft in Israel offiziell eröffnet. „Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen“, sagte US-Präsident Trump in einer Videobotschaft, die bei den Feierlichkeiten in Jerusalem ausgestrahlt wurde. Trump hatte im Dezember in einem international hoch umstrittenen, da völkerrechtlich illegalen Schritt Jerusalem einseitig als Israels Hauptstadt anerkannt. Die Eröffnungszeremonie war überschattet von neuen Zusammenstößen an der Grenze des Gazastreifens. Seit dem 30. März gibt es dort wöchentlich Kundgebungen, die in Krawalle ausarten. 49 Menschen starben dabei bis vorgestern. Gestern dann wurden nach Angaben von Palästinenserstellen bis zum Abend mindestens 55 weitere Menschen getötet. Mehr als 2400 seien verletzt worden, mehr als 700 davon durch scharfe Schüsse israelischer Sicherheitskräfte. 30 Menschen seien in kritischem Zustand. Israels Streitkräfte setzten auch Tränengas und Gummigeschosse ein, um zu verhindern, dass Palästinenser die Grenzanlage durchbrechen. 40.000 Menschen kamen gestern zu den Protesten, bei weitem weniger als angekündigt worden war. Von einer Million war die Rede gewesen. Gleichwohl glichen Teile des Grenzbereichs einem Schlachtfeld. Autoreifen wurden in Brand gesteckt, Steine geschleudert. Laut israelischer Armee wurden mehrere versuchte Terroranschläge der radikalislamischen Hamas unterbunden. Die Luftwaffe flog Angriffe gegen mutmaßliche Raketenstellungen. Zu der Botschaftseröffnung waren 800 Gäste eingeladen, darunter Trumps Tochter Ivanka. Israels Regierungschef Netanyahu sagte: „Danke, Präsident Trump, dass Sie den Mut hatten, ihre Versprechungen einzuhalten!“ Netanyahu sprach zudem von „einem großen Tag für den Frieden“. Die EU-Außenbeauftragte Mogherini rief alle Seiten „zu äußerster Zurückhaltung“ auf. Das deutsche Außenamt erklärte: „Israel hat das Recht, sich zu verteidigen. Aber es gilt das Prinzip der Verhältnismäßigkeit.“ Palästinenserpräsident Abbas warf Israel ein „Massaker“ vor. Er ordnete Staatstrauer an und erklärte, die USA seien „nicht länger ein Vermittler im Nahen Osten“. UN-Generalsekretär Guterres betonte, es gebe keinen Plan B zur Zwei-Staaten-Lösung. Israels arabische Nachbarn Ägypten, Jordanien und Libanon verurteilten die Gewalt gegen Palästinenser als „Verbrechen“. Kuwait beantragte eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Das Weiße Haus gab allein der Hamas die Schuld an der Gewalt gestern. Diese habe die Situation zynisch ausgenutzt. Die USA blieben dem Frieden verpflichtet und würden zu gegebener Zeit einen neuen Nahost-Friedensplan vorlegen. Leitartikel Seite 2; Seite 3