Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Durch Putin gerät auch der Klimaschutz unter Beschuss

Bedrohung der anderen Art: Ein russischer Kampfhubschrauber, der Raketen ablenkt.
Bedrohung der anderen Art: Ein russischer Kampfhubschrauber, der Raketen ablenkt.

Mit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine ist auch das Vertrauen in die internationale Zusammenarbeit verloren gegangen. Doch genau dieses braucht es im Kampf gegen den Klimawandel.

Ukrainische Wissenschaftler, die an den Schlussberatungen des neuesten Weltklimaratsberichts beteiligt waren, konnten nicht wie ihre Kollegen aus aller Welt per Videoschalte in Ruhe über den Bericht diskutieren. Sie mussten Zuflucht vor russischen Bomben suchen. Am Montag wurde er dennoch vorgestellt, der zweite und wichtigste Teil der klimawissenschaftlichen Bestandsaufnahme (der erste Teil der etwa alle sieben Jahre vorgelegten Gesamtübersicht erschien im August 2021).

Über die Grenzen hinweg

Politisch besonders brisant ist die Zusammenfassung für die „politischen Entscheidungsträger“. In einem zweiwöchigen Sitzungsmarathon waren Regierungsvertreter der 195 UN-Mitgliedstaaten die Erkenntnisse der Forscher Zeile für Zeile durchgegangen. Das heißt: Nachdem diese Formulierungen abgesegnet sind, wissen die Regierungen um den aktuellen Erkenntnisstand – und darum, was auf dem Spiel steht.

Eigentlich müssten die Regierungen daraus ihre Politik ableiten. Doch der Bruch des Völkerrechts, den Russlands Präsident mit dem Einmarsch in die Ukraine begangen hat, trifft auch den internationalen Klimaschutz ins Mark. Denn genau hier kommt es ja besonders auf Zusammenarbeit an. Beim Kampf gegen den Klimawandel spielen Grenzen fürs eigene Tun keine Rolle mehr. Der Atmosphäre ist es egal, aus welchem Land die Klimagase stammen – und auch der Klimawandel selbst schert sich nicht um Grenzanlagen. Letztlich geht es um Vertrauen. Vertrauen darauf, dass alle bei diesem Prozess mitziehen.

Es geht auch um Staatseinnahmen

Nun jedoch droht das der Zukunft zugewandte Thema Klimawandel sprichwörtlich unter die Kettenräder russischer Panzer zu kommen. Denn Putin denkt rückwärtsgewandt. Ihm geht es ums Wiederherstellen vergangener großrussischer Macht – nicht um die Folgen der Treibhausgase für kommende Generationen. Dabei ist Russland, einer der weltgrößten Förderländer von Erdöl und -gas, schon in der Vergangenheit als Klimaschutzbremser aufgetreten, um seine Staatseinnahmen nicht zu gefährden.

Prekär ist das Ganze nun aber, weil sich das Zeitfenster allmählich schließt, in dem Klimaschutzmaßnahmen noch erfolgreich auf den Weg gebracht werden können. Weil von unten immer neue Treibhausgase aufsteigen, nimmt ihre Konzentration oben in der Atmosphäre unaufhörlich zu.

Nicht zum ersten Mal ausgebremst

Absehbar ist jetzt, dass wegen der Bomben Putins in den kommenden Jahren große Geldsummen eben nicht in Klimamaßnahmen fließen werden, sondern weltweit in die Stärkung des Militärs. Und was die Ukraine betrifft: Ihr wird nicht wie geplant geholfen werden, eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen. Diesen Stoff hätte das Land dereinst vielleicht als „grünen“ Exportschlager in den Westen liefern können, wo man auf längere Sicht auch aus Klimaschutzgründen weg will von russischem Gas.

Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass der internationale Klimaschutz ausgebremst wird. 2001 verdrängte der von den USA ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ das Thema; US-Präsident George W. Bush zog sich gleichzeitig aus dem ersten globalen Klimavertrag (Kyoto-Protokoll) zurück. Sieben Jahre später begann die globale Finanzkrise alles zu überlagern. Ab 2015, mit den islamistischen Anschlägen in Europa, stand erneut anderes im Fokus. Jetzt erschüttert Putin das Vertrauen in die Zuverlässigkeit internationaler Absprachen. Zumindest der Ausbau der erneuerbaren Energien könnte aber in vielen Staaten einen Schub bekommen – weil Sonne und Wind ein Land weitgehend unabhängig machen von Gas-, Öl-, Kohle- und Uranimporten.

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