Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Die Weltsynode: Ein katholisches Experiment

In der großen Audienzhalle im Vatikan finden die Sitzungen der Weltsynode statt.
In der großen Audienzhalle im Vatikan finden die Sitzungen der Weltsynode statt.

Fragen und Antworten: Papst Franziskus hat eine katholische Weltsynode einberufen. Aber was will der Papst erreichen – und kann es zu Reformen kommen?

Gemeinschaft, Sendung und Teilhabe sind die drei Säulen des seit Herbst 2021 laufenden Prozesses mit dem sperrigen Namen „Weltsynode über die Synodalität“. Nach dem lokalen Auftakt weltweit folgt vom 4. bis 29. Oktober das erste von zwei Treffen auf Weltebene im Vatikan.

Warum hat Franziskus eine Weltsynode einberufen?
Der Papst möchte ein neues Miteinander in der römisch-katholischen Kirche auf den Weg bringen. Und er möchte, dass sich viele darüber Gedanken machen. Synodalität heißt für Franziskus: aufeinander hören, um zu lernen, wohin Gottes Geist die Kirche führen will. Dabei grenzt er die Synode ab von einem Parlament. Statt um bloße Debatte und Mehrheitsentscheide geht es ihm – wie er immer wieder betont – um Zuhören, Verstehen, Gebet und Reflexion, um am Ende zu Lösungen zu kommen, die von allen mit Überzeugung mitgetragen werden.

Und woher weiß der Papst, was die Katholiken weltweit denken?
Von Gläubigen aus der ganzen Welt wurden Wünsche und Reformideen eingesammelt und in sieben Kontinentalversammlungen diskutiert. Daraus hat der Vatikan ein Arbeitspapier für die erste Weltsynode formuliert.

Was besagt das Arbeitspapier?
Das 71-seitige Papier „Instrumentum Laboris“ gibt keine Anweisungen, sondern stellt Fragen zu Themen, die Änderungen in der katholischen Lehre mit sich bringen könnten. Beschlüsse dazu sind aber zunächst nicht vorgesehen. Da geht es um den möglichen Zugang von Frauen zum Diakonen-Amt, um eine stärkere Beteiligung von Frauen in Leitungs- und Verantwortungspositionen. Angesprochen werden Ausnahmen von der Regel der Ehelosigkeit von Priestern, etwa die Priesterweihe für verheiratete Männer oder die Leitung einer Gemeinde durch ungeweihte Katholiken. Statt auf Macht und Kontrolle sollen Amtsträger auf eine Atmosphäre der Transparenz, Ermutigung, Inklusion und Zusammenarbeit setzen. Nationale und regionale Kirchen sollen mehr Verantwortung erhalten. Wiederverheiratete Geschiedene sollen in der Kirche ebenso willkommen sein wie queere Menschen.

Vor allem aber soll nach dem Willen des Papstes ein anderer Beratungs- und Entscheidungsstil eingeübt werden. Und – viel Wert legt er auf den geistlichen Aspekt. Begleitet werden die Beratungen von Gebeten und Gottesdiensten.

Sind das nicht Themen, die auch beim Synodalen Weg in Deutschland diskutiert wurden?
Ja, aber trotzdem hat die deutsche Reformdebatte zwischen Klerikern und Laien wenig mit dem weltkirchlichen synodalen Prozess zu tun. Der deutsche Synodale Weg wurde Ende 2019 aufgrund des Missbrauchsskandals in der deutschen katholischen Kirche gestartet. Das Projekt will konkrete Reformen beim Zölibat, bei Ämtern für Frauen, bei der katholische Sexuallehre und fordert Macht- und Gewaltenteilung. Das Ganze wurde aus dem Vatikan argwöhnisch beobachtet. Dort fürchtet man grundlegende Veränderungen an der katholischen Lehre. Im Frühjahr wurde in Frankfurt festgelegt, wie es in Deutschland weitergehen soll. Vielen Reformern gingen die Beschlüsse nicht weit genug, dafür bekamen diese die Zustimmung der großen Mehrheit der deutschen Bischöfe. Es soll ein Synodaler Rat eingerichtet werden, in dem künftig auch Laien gleichberechtigt mitentscheiden. Doch vier konservative Bischöfe, drei aus Bayern sowie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, blockieren die Finanzierung des neuen Entscheidungsgremiums.

Wer darf bei der Weltsynode beraten und abstimmen?
Papst Franziskus hat 365 stimmberechtigte Mitglieder für die Synode nominiert. Ergänzt werden sie durch internationale Berater. Neben Bischöfen haben Priester, Diakone und Ordensleute sowie Laien, ungeweihte Katholikinnen und Katholiken, Stimmrecht. Etwa jede siebte Stimme ist weiblich. Es ist das erste Mal in der katholischen Kirchengeschichte, dass Frauen bei einer Bischofssynode Stimmrecht haben. Mit 73 Prozent sind die Bischöfe jedoch in der Überzahl.

Wer ist aus Deutschland dabei?
Die Deutsche Bischofskonferenz benannte die Bischöfe Georg Bätzing (Limburg), Bertram Meier (Augsburg) und Franz-Josef Overbeck (Essen). Der Papst berief außerdem die Bischöfe Felix Genn (Münster) und Stefan Oster (Passau) zu Mitgliedern der Synode. Als Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks Renovabis nimmt der in Landstuhl geborene Pfarrer Thomas Schwartz teil. Zu einem offiziellen theologischen Berater der Synode wurde der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der Theologieprofessor Thomas Söding, ernannt – ohne Stimmrecht. Auch seinen größten Kritiker, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, den er 2017 an der Spitze der Glaubenskongregation abgelöst hatte, hat Franziskus berufen. Vielleicht in der Hoffnung, dass, wenn auch die Kritiker ein Mitspracherecht haben und Teil des Prozesses sind, sie ihn am Ende mittragen könnten.

Wie wird beraten?
Die Synode tagt in der großen Audienzhalle im Vatikan. Beraten wird im Plenum und in Gruppensitzungen. Nach sprachlicher und inhaltlicher Präferenz werden die Arbeitsgruppen aus jeweils rund zwölf Personen zusammengesetzt. Eine eigene deutsche Sprachgruppe gibt es nicht. In der Abschlussphase präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse im Plenum. Nach der Zusammenfassung der Resultate folgen eine abschließende Lesung und die Genehmigung des Papiers, das dann 2024 behandelt wird.

Was kann am Ende herauskommen?
Die Weltsynode dient als Beratungsorgan für den Papst. Im Oktober 2024 will die Synode ein Schlussdokument verfassen und dieses dem Papst vorlegen. Franziskus kann die Empfehlungen in einem verbindlichen „Nachsynodalen Schreiben“ festhalten. Was er davon umsetzt, entscheidet er aber ganz allein. Nicht immer hat er sich an die Empfehlungen der vorhergehenden Synoden gehalten. So haben bei der Amazonassynode 2019 vier Fünftel für die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt gestimmt– und der Papst hat das in seinen Schlusstext nicht aufgenommen.

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